Nahtstelle zur Stadt:
    Vom BAYERwerk zum Chemiepark
Leverkusen

 

Urbecon Park:    (A) Makrostruktur
(B) Interne Struktur (C) Mikrostruktur

 Andrea Borges / Sabrina Nießen / Christian Gritsch /
 Philip Schläger / Agnes Szymanski / Benedikt Völkel 


Bergische Universität Wuppertal
Lehrstuhl für Städtebau



 Einleitung 

Der Name Bayer ist in unzähligen Bereichen mit der umliegenden Region auf sichtbare, wie unsichtbare Weise verbunden.
Die Anwesenheit des Global Players offenbart Spuren, die sich gleichermaßen als gebaute Infrastruktur, wie auch in subtilen Mechanismen des Alltags wieder finden.
So ist davon auszugehen, dass sich die permanenten Veränderungen der globalen  Ökonomien in ebenso vielschichtiger Weise stetig in die alltägliche Umgebung einschreiben.
Das gemeinsame Konzept akzeptiert die Realität permanenter Veränderungen und versucht, an Stelle eines konkreten Bebauungsvorschlags, ein Werkzeug zur nachhaltigen Steuerung des Prozesses zu entwickeln.
Mögliche Flächennutzungen, wie potentielle Raumstrukturen werden hierbei in unterschiedlichen Maßstäben und Szenarien untersucht und deren Ergebnisse in einen gemeinsamen Masterplan zusammengeführt.
Das Werksgelände und insbesondere die ausgewiesenen Planungsbereiche werden mehrfach programmiert, um zeitgleich auf lang-, wie kurzfristige Veränderungen in der zukünftigen Nutzungsstruktur reagieren zu können.
Ziel ist es durch kleinstmögliche Eingriffe und Startsequenzen, die Anwesenheit von Stadt in gleichem Maße, wie ein attraktives und identitätsstiftendes Arbeitsumfeld für vorhandene und zukünftige Chemieparkpartner spürbar zu machen.



 A. Makrostruktur 

Ausgangspunkt der Entwurfsarbeit ist eine Mehrfeldanalyse, die aus verschiedenen Perspektiven die Potentiale und Merkmale von Standort und Region zusammenführt.
Typische Charakteristiken der Region Leverkusen, wie Grünflächenanteil, Sport- und Freizeitangebot, Wohnumfeldqualitäten, etc. werden in einem spezifischen Entwurfswerkzeug erfasst und ausgewertet.
Übergeordnete Flächentypologien, Nutzungsbausteine und Körnungen der umgebenden Bereiche des Planungsgebietes werden auf sog. „Identitäts-Cluster “ untersucht. Aus den gewonnenen Informationen werden nachfolgend bestimmte Initialelemente heraus destilliert, die Startpunkt strategischer Kombinationen werden.

Typische Charakteristiken der Region Leverkusen, wie Grünflächenanteil, Sport- und Freizeitnutzungen, etc.
Im Stadtfeldmaßstab werden entsprechende Zonierungen und Dichteverhältnisse an den ausgewiesenen Planungsgebieten überprüft und nach Vergleichsmethoden als neue, nachhaltige und identitätsbildende Nutzungsstruktur programmiert.

Die Schnittstelle zu den Entwürfen B und C besteht in der Erarbeitung von grundlegenden regionalen Zusammenhängen, als Entscheidungskriterium für verschiedene Programmierungsmöglichkeiten der neu zu strukturierenden Flächen.



 B. Interne Struktur 

Basierend auf  global-ökonomischen Untersuchungen geht der Entwurf von einer teilweisen Öffnung des Areals für die Ansiedlung externer Nutzungen aus Forschung, Produktion, Handel und Dienstleistung aus.
Ein Teil der bisherigen Werksstruktur soll dabei weiterhin als abgegrenzte Produktionszone inkl. der notwendigen Infrastrukturen erhalten bleiben.
Um den vorhandenen, wie zukünftigen Unternehmen eine adäquate Corporate Identity, bzw. ein charakteristisches Standort-Image zu ermöglichen, werden die vorhandenen Potentiale des Areals inhaltlich destilliert und räumlich neu strukturiert.
Der bestehenden Grünflächenstruktur, wie auch anderer charakteristischer Elemente der historischen Werksstruktur kommen dabei wichtige synergetische Funktionen zu.
Neue, wie bestehende Nutzungen werden zu einem attraktiven Arbeits- und Forschungsumfeld verknüpft, das sowohl den Belangen der produzierenden Werksbereiche, wie auch der beabsichtigten Einflechtung in die vorhandene urbane Umgebung Rechnung trägt.
Die Schnittstelle zu den Entwürfen A und C besteht in der Erarbeitung der inhaltlichen Belange und Funktionsweise des gegebenen Werksgeländes, als Grundlage für klein- und großmaßstäbliche Strukturänderungen.



 C. Mikrostruktur 

Die direkt an das Bayer-Gelände angrenzenden Raumzonen werden auf vorhandene räumlich, wie programmatisch prägnante Situationen auf kleinmaßstäblicher Ebene untersucht.
Der Entwurf basiert auf der Überlegung, dass vorhandene Mikrobausteine, wie z.B. Kioske, Haltestellen, Zufahrtsmöglichkeiten, Aufenthaltszonen, Taxistände, etc. ein urbanes und nachhaltiges Potential beinhalten, welches identifizierbar, erweiterbar und in eine neue Struktur transformierbar ist.
Die bislang monostrukturelle Verbindung zwischen Werk und Stadt, wie bspw. am Niemandsland ersichtlich, wird auf Grundlage der analysierten, vorhandenen Nutzungsmuster neu definiert. Im Sinne eines Aktion-Reaktion-Prozesses zielt das Entwurfsverfahren auf eine gemischt genutzte Programmierung ab, die als Nährboden für teils gesteuerte und teils sich frei entwickelnde Veränderungsprozesse auf beiden Seiten der B7 dient.
Der alte umlaufende „Werks-Rand“ erfährt dabei eine Qualitätssteigerung durch die funktionale und soziale Durchmischung, und knüpft infrastrukturell an die beiden Stadtränder an.
Die Schnittstelle zu den Entwürfen A und B besteht in der Neuformulierung der bisherigen „Grenze“ zwischen Werksstruktur und Umgebung aus Perspektive der vorhandenen und zukünftigen Nutzer.



 Konzeptidee 

Ausgehend von den vorangegangenen Analysen basiert der Entwurf auf einer Durchmischung vorhandener, sowie neu zugefügter Nutzungen. Dadurch sollen Synergien zwischen den Nachbarschaften geschaffen und gleichzeitig ein attraktives Stadtbild erzeugt werden. Der momentan isolierte Werksbereich wird durch die Verlagerung der Werksmauer teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich und lässt somit neue Wechselbeziehungen zwischen Stadt und Chemiepark zu. Besonders hervorzuheben ist die damit entstehende Verbindung zwischen dem südlich gelegenen Wohngebiet (Flittard) zu der Innenstadt Leverkusens.
Für die Nutzungsmischung hat der hinzugefügte Bildungs- und Forschungsbereich wesentliches Zukunftspotenzial, da sich die räumliche Nähe von Theorie und Praxis in vorausgegangenen Beispielen aus dem Ausland, positiv bewehrt hat. Ein innovatives Studienmodell in Verbindung mit vor Ort ansässigen Chemieunternehmen lässt ein attraktives Umfeld beiderseits entstehen und bedingt gleichzeitig positive Potenziale für das städtische Leben.
Um zu einem funktionierenden Werkzeug als Grundlage für die Neubespielung des Plangebietes zu gelangen wird das gesamte Gebiet in einzelne Parzellen geteilt, die sich an der vorhandenen Straßenführung orientieren. An Hand der Nutzungscluster wird daraufhin die Neuprogrammierung für die Parzellen festgelegt. Für die Nutzungsmischung und die Bebauungsdichte dienen bestehende, qualitative Cluster Leverkusens als Vorlage.
Ziel ist es, einen Masterplan mittels verschiedenen Regelwerken aufzustellen, der es ermöglicht, flexibel auf wirtschaftliche sowie allgemeine Entwicklungen zu reagieren. Hierbei wird der Schwerpunkt besonders auf die ökonomischen sowie urbanen
Strukturen gelegt um dadurch mittel- wie langfristig vielfältige und qualitative Möglichkeiten des UrbEconParks zu sichern.
Ein Raumkatalog mit definierten Baukörpern, Größen sowie Kombinationsmöglichkeiten dient zur Erstellung unterschiedlichster Raumsituationen in Form eines Baukastenprinzips. Als Typologie wird dabei eine Blockrandbebauung gewählt, deren Flexibilität an Hand der Szenarien von Wachstum und Reduktion erkennbar wird. Bestimmte städtebauliche Parameter, wie Ausrichtung, nachbarschaftliche Strukturen und Gebäudenutzungen sind maßgebend für die Bebauung einer Parzelle.