Nahtstelle zur Stadt:
    Vom BAYERwerk zum Chemiepark
Leverkusen

 

Gewerbeinseln im Landschaftsband

 Dominik Bulinski / Christian Hemkendreis 

Städtebau Masterstudiengang Nordrhein Westfalen


ABSTRACT DER ENTWURFSIDEE

Entwicklung von zeitlich und physisch autarken Gewerbeinseln in einem Landschaftsband, die auf der Infrastruktur des Bayerwerks aufbauen und den Chemiestandort Leverkusen zu einem vielfältigen Firmenensemble ausbilden.



Blatt I

Der Wettbewerb "Vom BAYERwerk zum Chemiepark" beschäftigt sich mit der Frage der Umstrukturierung des Bayerwerksgeländes und den das Werk umgebenden Flächen, die als Übergangsraum zwischen Werk und Stadt fungieren.
Durch die Globalisierung und die Umstrukturierung der Produktionsprozesse, dem Marketing und der Verwaltung ist es in den letzten 20 Jahren zu einschneidenden Veränderungen am Chemiestandort Deutschland gekommen.
Bezogen auf das Bayerwerk in Leverkusen bedeutet dies ein Outsourcing vieler Produktionszweige ins Ausland sowie eine Untergliederung des Produktionsablaufs in einzelne Konzerne. Die Folgen sind Rückgang der Arbeitnehmerzahlen auf dem Werksgelände, Brachfallen und Stilllegung vieler Flächen und Gebäude, sowie eine Änderung der vorhandenen Strukturen und des Flächenbedarfs.
Von diesen Umstrukturierungen sind insbesondere die das Werk umgebenden Flächen betroffen. Weitestgehend freigehalten von Wohnbebauung, dienen sie als Abstandsflächen für die auf dem Werksgelände ansässigen Störfallbetriebe. Das Vorhandensein solch gefährlicher Betriebe wird grundsätzlich als negativer Aspekt für die Stadt Leverkusen und die weitere Entwicklung des Chemieparks gesehen. Doch gerade diesen Standortfaktor gilt es auch in Zukunft zu nutzen. Da sich die Installation neuer Standorte als schwierig und die Bereitstellung benötigter Infrastruktur in der frühen Vergangenheit als kostspielig erwiesen haben, müssen bereits vorhandene Standorte für die Errichtung von Störfallbetrieben erhalten und vorgehalten werden, um zumindest die Möglichkeit zu bewahren in Deutschland wieder Produktionsbetriebe ansiedeln zu können.
Dies impliziert jedoch, dass ebenfalls die Abstandsflächen, welche mit einem Durchmesser von durchschnittlich 250 m entlang der Werksmauer angeordnet sind, in ihrer Funktion erhalten bleiben müssen. Ziel dieses Wettbewerbsbeitrags ist es, einen Lösungsansatz zu finden, um einen Teil dieser Übergangszonen neu zu ordnen und gestalten und in Folge dessen, diese wieder einer adäquaten Nutzung zuführen zu können, ohne den Flächen jedoch die Möglichkeit zu nehmen, auch weiterhin den Bestimmungen die an eine Abstandsfläche gestellt werden, gerecht zu werden.
Das Bearbeitungsgebiet ist eine bandförmige Fläche, welche sich entlang der östlichen Werksmauer zwischen B8 und Bahnlinie erstreckt. Hierbei sind jedoch spezielle Standortparameter zu berücksichtigen. An erster Stelle sind die Störfallbetriebe zu nennen, die das Band als Abstandsfläche nutzen. Des Weiteren die Emissionen, die von Außen auf die Fläche einwirken. Gemeint sind hierbei besonders die vom Werksgelände, der B8 sowie den Bahnlinien ausgehenden Lärm-, Geruchs- und Schadstoffbelastungen. Ebenso ist auch die Kulisse zu benennen, die ein Chemiepark dieses Ausmaßes erzeugt.
Das Konzept nimmt diese Parameter auf und zeigt einen möglichen Lösungsansatz.


Blatt II

Es entsteht ein grünes Band ausgehend vom Stadtzentrum Leverkusens entlang der B8, durch die Beamtensiedlung zum Carl-Duisberg-Park. Dieser wird in die Grünstrukturen eingebunden und erhält eine adäquate Verbindung in die Innenstadt und, durch eine das Werksgelände überspannende Brücke, an den Rhein. Das Band wird durch ein Raster gegliedert, welches die Strukturen der Straßen innerhalb des geschlossenen Werksgeländes aufnimmt, sie innerhalb des Bands als Rasterelemente weiterführt und so für die Besucher der Grünflächen erlebbar macht. Im Werk durch Straßen ausgedrückt ist das Raster auf der Fläche des Landschaftsbands durch verschiedenen Elemente wie Mauern, Hecken, Wasserstreifen, Wegeverbindungen Baumreihen und Rasenstreifen dargestellt. Die Gestaltung des Bands ist bewusst schlicht gehalten, wobei der Gehölzbestand weitgehend erhalten und ergänzt wird und, zusätzlich zu baulichen Elementen, als Schutz gegenüber den Emissionsquellen dient. Außerdem wird eine Baumreihe entlang der B8 entwickelt, die als Pendant zur geschlossenen Werksbebauung dient.
Es entsteht einerseits eine Verbindung der Fuß- und Radwege von Köln aus in die Leverkusener Innenstadt und andererseits ein Grundgerüst für eine mögliche gewerbliche Nutzung.
Topographisch eingebettet in das Landschaftsband entstehen mehrere "Gewerbeinseln", welche unabhängig von einander als autarke Gebilde entlang des Bands aufgereiht sind. Sie bieten somit die Möglichkeit losgelöst vom Image des Bayerkonzerns hochwertige Gewerbestrukturen außerhalb des Werksgeländes anzusiedeln und zugleich die verloren gegangene Wirtschaftskraft des Standorts Leverkusen aufzufangen und neue hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen.
Trotz dieser offensichtlichen Unabhängigkeit vom restlichen Chemiepark, ist es den sich ansiedelnden Betrieben möglich alle infrastrukturellen Vorteile aufgrund der Nähe zum Bayerwerk zu nutzen. Gemeint sind hierbei nicht nur die hervorragende verkehrliche Anbindung durch die gute Erreichbarkeit der Autobahn und dem Anschluss an das Schienennetz der Bahn, sondern ebenfalls der Zugang zu allen Ressourcen der Chemieparkinfrastruktur und der Bündelung der chemischtechnischen Leistungen mit Hilfe von Produkt- und Technologieverbünden mit anderen Firmen der "Gewerbeinseln".
Da die "Inseln" unabhängig voneinander entwickelt werden können und keiner physischen Verbindung untereinander bedürfen, ist auch der Abstand ihrer zeitlichen Realisierung variabel. Hierbei wird ein Zeitraum von 50 Jahren angenommen, in welchem entsprechend der wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen reagiert werden kann. Zu Beginn wird lediglich das Landschaftsband realisiert. Entsprechend der Nachfrage werden in den darauf folgenden Jahren die ersten "Gewerbeinseln" entwickelt. Steigt der Bedarf an Gewerbeflächen durch einen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland, so kann hierauf durch die Ausbildung weiterer "Inseln", auf den für sie im Landschaftsband vorgehaltenen Flächen, reagiert werden. Sollte der Bedarf nicht bestehen werden dementsprechend auch keine weiteren "Gewerbeinseln" realisiert und die hierfür vorgesehenen Flächen verbleiben als Flächen des Landschaftsbands.


Blatt III

Auf der Entwurfsebene wird näher auf die Gestaltung der nördlichsten "Gewerbeinsel" eingegangen. Diese steht beispielhaft für die Gestaltung aller im Laufe der Zeit zu realisierenden "Inseln".
Strukturiert wird die "Gewerbeinsel" durch ein nord-süd ausgerichtetes Straßenraster, ähnlich dem Raster des Werksgeländes sowie des Bands. Verkehrlich ist die "Insel" im Süden über den Willy-Brandt-Ring, der als Zubringer zur Autobahn dient, an die Bundesstraße 8 angebunden. Die Gebäudekubaturen sind entlang den Verkehrsflächen angeordnet und bilden hier jeweils ein Kopfgebäude aus. Im hinteren Bereich können je nach Bedarf Produktionshallen entstehen. Die Geschossigkeit geht innerhalb der "Insel" von außen nach innen um fünf auf drei Geschosse zurück. Zwischen den Gebäuden entstehen Plätze und offene Flächen. Größtenteils als versiegelte Be- und Endladestellen für den Schwerlastverkehr bzw. als Stellplatzanlagen konzipiert, gibt es jedoch ebenfalls die Möglichkeit diese als repräsentative Freiflächen zu gestalten. Hierbei ist besonders der im nördlichen Teil gelegene große Stadtplatz zu nennen, der als Mittelpunkt der Gewerbestrukturen fungiert und mit diversen Gastronomiebetrieben und Dienstleistern als ein Treff- und Kommunikationspunkt für die Beschäftigten der ansässigen Firmen und der Besucher dient. Ein von Fuß- und Radwegen begleitetes Wasserband führt den Besucher vom Rhein kommend aus der Stadt durch das Landschaftsband auf den Stadtplatz und trifft sich hier mit dem aus der Leverkusener Innenstadt kommendem Wegesystem, um dann weiter Richtung Beamtensiedlung und "Carl-Duisberg-Park" wieder an den Rhein zu gelangen.
Mehrere Tiefgaragen, konzipiert als 2geschossige Sammelgaragen, können den gesamten ruhenden Verkehr unterirdisch aufnehmen. Zusätzlich gibt es ebenfalls die Möglichkeit oberirdische Stellflächen für Angestellte und Besucher zu installieren. Hierbei wird besonders darauf hingewiesen, dass je nach Bedarf das Parken auch am Straßenrand ermöglicht werden kann.


Grundsätzlich ist festzuhalten, dass so ein variables System entsteht, welches aufgrund seiner Flexibilität auf äußere wie innere Standortveränderungen reagieren kann und die Möglichkeit einer zeitlich unabhängigen Realisierung ermöglicht.