Nahtstelle zur Stadt:
    Vom BAYERwerk zum Chemiepark
Leverkusen

 

randerscheinung
In der Welt zu Hause —
Vom Bayerwerk zum Chemiepark


 Christopher Frett / Johannes Jung 

Rheinisch Westfälische Technische Hochschule Aachen
Lehrstuhl und Institut für Städtebau und Landesplanung




 Ausgangssituation 


Das von Carl Duisberg vor über hundert Jahren geplante Bayerwerk in Leverkusen befindet sich seit einigen Jahren, aufgrund von Einflüssen der Globalisierung, im strukturellen Umbruch.

Als aufgrund der Verlagerungen von Produktionsteilen große Flächen auf dem Werksareal frei wurden, hat der Konzern Bayer konsequenterweise entschieden den Produktionsstandort in Leverkusen für Fremdfirmen zu öffnen, mit dem Ziel, die hohen Fixkosten der aufwändigen Infrastrukturleistungen mit mehreren Nutzern zu tragen.
Voraussetzung für das Gelingen dieses Projektes war es, genügend Partner von  den Vorteilen des Standortes zu überzeugen. Die klassischen Argumente wie die umfassende infrastrukturelle Versorgung, die gute verkehrstechnische Anbindung, sowie die rechtlichen Voraussetzungen auf dem Werksgelände, reichten aber aufgrund der großen Konkurrenz in diesem Bereich nicht aus, um die Flächen auszulasten.
Es galt für den Standort eine Vision zu entwickeln, die neue Perspektiven sowohl für den Chemiepark als auch für die Stadt eröffnet.

Carl Duisberg konzipierte ein Werk aus vier Streifen, jeder mit einer klaren Funktionszuweisung. Die lineare Verkettung der Streifen entsprach der Logik der Produktion, von der rheinseitigen Rohstoffanlieferung bis zu den Lagerflächen an der heutigen B8. Den zentralen Verwaltungsstandort legte Carl Duisberg an den damaligen Südrand des Werks. Mit der Zeit wurde dieser Standort immer weiter ausgebaut und gewann vor allem durch den Carl-Duisberg-Park stark an Qualität. Heute bildet er den Kopf des ganzen Bayer Konzerns.



 Programmatische Defizite 

Repräsentationsbedarf + + + + + +

Die innere Struktur des ehemaligen Werksgeländes hat sich aufgrund der Umwandlung zum Chemiepark stark geändert und wird den technischen Anforderungen der modernen Produktion gerecht. Das Infrastrukturraster stellt das größte Kapital des Standortes dar.
Nicht gewandelt hat sich die äußere Erscheinung, sie wird noch immer von Bayer dominiert. Das Bedarf nach Repräsentation seitens der Chemiepark-Partner besteht, lässt sich an einigen Ad-hoc Maßnahmen einzelner Unternehmen wie DyStar und  Lanxess ablesen, die am heutigen Werksrand stattfinden. Zentrales Problem hierbei ist also, wie eine Adressbildung "für alle" möglich wird, ohne die vorhandene "Bayer-Identität" zu zerstören.

Ungenutztes Innovationspotential + + + + + +

Leverkusen bietet vielfältige Möglichkeiten für die Ausweitung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten durch die Unternehmen des Chemieparks. Aufgrund seiner Lage, den vielen Hochschulen mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt in direkter Nähe und den Chemiepark-Partnern mit vielfältigem Know-how findet man in Leverkusen Bedingungen, die die Frage nach Forschung und Lehre am Standort aufdrängen. Bisher beschränken sich die Großteile der Bayer Forschung auf die USA, so dass das Potential in Deutschland, vor allem im direkten Verbund mit Produktionsanlagen, ungenutzt bleibt.
Unternehmen wie Novartis in Basel unternehmen schon große Anstrengungen, um Forschung zu etablieren, und leisten Pionierarbeit auf einem viel versprechenden Gebiet.



 Räumliche Defizite 

Übersicht der Randzonen + + + + + +

Die Produktionsstruktur ist funktional weiter benutzbar, jedoch muss der Rand aufgewertet werden, um so als "Adressträger" fungieren zu können und neue, öffentliche Funktionen aufzunehmen. Dazu wurde der gesamte Rand des heutigen Chemieparks zum Projektgebiet erklärt und anschließend analysiert. Anhand von räumlichen und programmatischen Kriterien wurde der Rand in Zonen unterschiedlicher Qualitäten eingeteilt. So können günstige Lagen für Betriebe und deren Bedürfnisse geschaffen werden (vom Start-Up bis zur repräsentativen und relativ teuren Lage…).


Funktionszuweisung + + + + + +

Nachdem ein erster Überblick über die Werksränder erstellt worden war, wurde aus den Grundannahmen das folgende inhaltliche Programm abgeleitet und den Randzonen zugeordnet:




 Städtebauliches Konzept 

Randzone 2: Headquarter und Verwaltung
für Chemiepark-Partner + + + + + +

Durch den Entschluss die neuen Planungen auf der Werksseite zu verorten, soll einerseits der Wandlungsprozess des Werks am Rand verbildlicht werden, andererseits soll die Zusammengehörigkeit der Produktionsanlagen und der neuen Verwaltung unmissverständlich klar gemacht werden. Basis für die neuen Planungen ist die sukzessive Öffnung des ersten Rasterstreifens an der B8.


Randzone 3: Einrichtungen zur Produktion und Vernetzung von Wissen + + + + + +

Die Kopfsituation als Bindeglied zwischen dem neu geschaffenen Headquarterbereich und der Bayerallee soll als Gelenk fungieren und die Gemeinschaftseinrichtungen zur Einbindung von Wissenschaft und Forschung in den Standort Leverkusen aufnehmen.


Randzone 1: Zwischen Werk und Stadt + + + + + +

Die Kopfsituation als Bindeglied zwischen dem neu geschaffenen Headquarterbereich und der Bayerallee soll als Gelenk fungieren und die Gemeinschaftseinrichtungen zur Einbindung von Wissenschaft und Forschung in den Standort Leverkusen aufnehmen.



 Umsetzungsphasen 

Phase 1 + + + + + +

Mit temporären Maßnahmen werden wichtige Punkte des Endbildes mit einer ersten Bedeutung belegt. Dabei steht im Mittelpunkt, kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zur Verdeutlichung von städtebaulichen Situationen einzusetzen. Grundlage sind städtebaulich starke Bestandsstrukturen, die eine Umgestaltung erfahren. Die Maßnahmen dieser Phase sollen bis 2008 abgeschlossen sein.

Phase 2 + + + + + +

Diese Phase beginnt mit der Umsetzung der baulichen Pläne, also sowohl mit dem Abriss und Neubau von Strukturen, als auch dem Umbau von Bestandsgebäuden. Sie bilden erste Bausteine des Zielbildes und gleichzeitig Leuchtturmprojekte, die weitere Entwicklungen beschleunigen sollen. Bis 2013 sollen die Projekte dieser Phase umgesetzt sein.

Phase 3 + + + + + +

Diese Phase geht im fließenden Übergang aus der 2. Phase hervor und komplettiert die formulierten Zielvorstellungen. Mit Ende der 3. Phase, die für 2025 geplant ist, findet der Brückenschluss zwischen dem Duisberg-Park und der Landesgartenschau statt.