Nahtstelle zur Stadt:
    Vom BAYERwerk zum Chemiepark
Leverkusen

 

In Schwung gebracht
– neue Adresse in Leverkusen

 Dipl.-Ing.(FH) Sandra Dietz / Dipl.-Ing.(FH) Isabelle Weis 

Städtebau Masterstudiengang Nordrhein Westfalen


Chemiepromenade ABSTRACT DER ENTWURFSIDEE

Der Focus des Konzeptes liegt auf der Entwicklung einer "Chemiepromenade".

Räumliche und konzeptionelle Schwerpunkte sind die Ränder des Chemieparks mit dem Ziel, Stadt zu entwickeln.
Bestehende Strukturen werden aufgebrochen und erhalten dadurch eine neue Funktion.
Ortsansässige Firmen bekommen die Möglichkeit sich zu präsentieren.
Die Außenwirkung des Chemiestandortes wird verstärkt; der Sprung über die Mauer erfolgt.





 Anlass 


Die Firma Bayer hat dem Standort bisher eine Identität gegeben. Mit der Entwicklung zum Weltkonzern wuchs auch die Bedeutung von Leverkusen als "Chemiestadt". Die Stadt und ihre Bewohner verdanken der Firma Bayer somit ein Großteil ihres heutigen Wohlstandes. Noch heute steht der Name Bayer für den Standort.

Die Firmenentwicklung spiegelt sich stark in der Stadtentwicklung wieder. Die Ränder des Chemieparks in seiner heutigen Abgrenzung entstanden eher zufällig ohne städtebauliche Gestaltung. Der unsensible Umgang mit der Stadtstruktur bleibt den meisten Besuchern im Gedächtnis und erzeugt das heutige Bild von Leverkusen. Über jede bisherige städtebauliche Entwicklung stand Bayer und der Chemiestandort.

Durch den Rückgang der Chemieproduktion in Leverkusen erfolgte auch eine Stagnation in der stadtstrukturellen Entwicklung, die bis heute andauert. Das Bild von leeren Parkplatzflächen, mindergenutzten Grün- und Freiflächen und verlassenen Gebäuden prägen das Heute. Diese Entwicklung bedingt die zur Zeit geringe innovative Kraft des Standortes. Andere Chemiefirmen konnten sich bisher kaum etablieren und aus dem Schatten von Bayer heraustreten. Räumliche Präsenz, eigene Einflüsse anderer Firmen auf den Chemiestandort sind kaum erkennbar.



 Konzept 


Der Wirtschaftsstandort Leverkusen wird in den nächsten Jahren durch verschiedene äußere und innere Faktoren beeinflusst, die in Kombination und Intensität zu unterschiedlichen Entwicklungen führen können. Die Qualität der Arbeit zeigt sich im Umgang des Konzeptes mit diesen zukünftigen Entwicklungsperspektiven.

Die einzelnen Maßnahmen im Masterplan stellen eine Entwicklungsstufe dar, die in allen Szenarien denkbar und in differenzierter Abwandlung umsetzbar ist. Ergänzende Maßnahmen, als fortführende Entwicklungsstufen, entstehen aus den Szenarien.

Die Entwurfsarbeit knüpft bewusst nicht an städtische Projekte und bisherige Planungsgedanken an, sondern entwickelt seine eigene Dynamik und Innovation. Dies bedeutet eine größtmögliche Flexibilität für die zukünftige Stadtplanung.



 Ziele 


Drei wesentliche Ziele begleiten das Konzept und geben die Vorgaben für die Maßnahmen, die sich aus dem Masterplan entwickeln.


"Geschärfte Ränder"

Mit dem Thema geschärfte Ränder sollen untereinander Bezüge geschaffen werden und die Potentiale des Ortes herausgehoben werden.

Der Wirkungsbereich umfasst den südlichen Innenstadtbereich sowie die östlich Kante des Chemieparks. Je nach Entwicklung dieser Orte können die Ränder stark ausgebildet sein oder sich im Stadtraum untergeordnet darstellen.

Ränder können sowohl durch bauliche Strukturen oder freiraumplanerische Elemente geschaffen werden.

Mit diesen Erkenntnissen gilt es umzugehen, um die Qualität für die im Kontext stehenden Nutzungsbereiche langfristig zu garantieren.


"Starke Verbindungen"

Die strukturelle Vernetzung zwischen Rheinaue und städtisch geprägten Grün- und Freiräumen sowie die Verbindungen entlang der Stadtkanten und –räume sind das Ziel. Dies bedeutet zum einen die Aufnahme der Rheinuferverbindungen im Norden mit der Landesgartenschau und im Süden mit den angrenzenden Rheinauen.

Eine Verbindungsspange entsteht, die als Nord-Süd-Achse entlang bestehender Wege und entlang der B8 entwickelt wird. Sie übernimmt eine Stadtraumverbindung, die die Vielfältigkeit der Orte erlebbar macht.

Die direkte Wegeverbindung am Rhein steht in Abhängigkeit mit der Entwicklung des Chemieparks.


"Erlebbare Kontraste"

Die vorhandenen Nutzungsstrukturen und die bisherigen Verbindungen werden aufgebrochen und neu konzipiert. Neue städtebauliche und architektonische Schwerpunkte setzen Kontraste zu bisherigen Strukturen und geben Anstoss zur Veränderung. Die Ziele vereinen sich in der "Chemiepromenade" entlang der B8. Kontraste werden für den Besucher des Raumes erlebbar gemacht.

Die einzelnen Elemente der "Chemiepromenade" stehen im Kontrast zum Chemiepark mit seinen gewachsenen Strukturen. Ein neuer spannungsvoller öffentlicher Ort entsteht.

Mit dieser Zielvorgabe ergibt sich ein gesamtplanerischer Ansatz, der in Form eines Masterplanes umgesetzt wird. Inhalt des Masterplanes sind die bereits heute realisierbaren Maßnahmen unabhängig der Entwicklung von Bayer oder des Chemieparks. Der Masterplan steht für die stufenweise Entwicklung in den nächsten Jahren mit der größtmöglichen strukturellen und zeitlichen Freiheit durch das Konzept.



 Chemiepromenade 


Die Konkretisierung der Maßnahmen des Masterplanes erfolgt in einem ersten Schritt über die "Chemiepromenade". Bisherige Strukturen und Verbindungen brechen auf und werden neu konzipiert. Die Realisierung der Promenade erfolgt in Stufen, was eine zusätzliche Qualität des Entwurfes darstellt. Neue städtebaulich und architektonische Schwerpunkte setzen Kontraste zu bisherigen Strukturen und geben Akzente zur Veränderung.

Die "Chemiepromenade" verkörpert das Prinzip der Einheit und Vielfältigkeit. Einheit in der Konzeption und Vielfältigkeit in der Umsetzung.

In Schwung gebracht lautet das Motto dieses Entwurfes und bedeutet für Leverkusen innovative Entwicklungen und Aufschwung.

Die Nutzung und Ausdehnung der Chemiepromenade passt sich den wirtschaftlichen Entwicklungen in der Zukunft an. Die Städtebaulichen Vorgaben garantieren für Qualität und einer geordneten sukzessiven Entwicklung.


"Grundelemente"

Durch das  baulich-funktionale Element  werden die nötige Raumkanten zur B8 geschaffen. Zwei Gebäudetypologien wurden hierfür entwickelt, die sich durch Flexibilität, klar strukturierter Funktion und Nutzung sowie Individualität auszeichnen.

Das  frei- und grünräumliche Element  unterstützt das baulich-funktionale Elemente und schafft zusätzliche Qualitäten für den gesamten Raum. Großzügige Platzanlagen als Präsentationsfläche zur B8 und Freiraumbereiche nach Osten sowie ergänzende Nutzung - Campus mit Betriebssport und Cafeteria – stehen für dieses Element.

Mit dem  strukturell-verbindenden Element  werden zusätzliche Qualitäten geschaffen. Hiermit kann an ein bestehendes Netz von Fuß- und Radwegen angebunden werden. Das Prinzip der Offenheit wird somit gestärkt.

Die Chemiepromenade als Ganzes bildet somit den erlebbaren Kontrast zwischen Chemiepark und den östlich angrenzenden Freiräumen.


"Konzept der Freiräume"

Einfaches Design und Zurückhaltung entspricht der Formsprache des Freiraumes. Die Mittel, die hierfür genutzt werden, sind unterschiedlich.

Die repräsentativen Eingangsplätze sind offen gehalten mit einer positiven Wirkung zur B8. Die Gebäude bekommen eine Bühne auf der sie sich präsentieren können. Jeder Platz der Promenade kann sich individuell darstellen.

Die Freiräume östlich angrenzend werden als Sitz- und Aufenthaltsbereiche gestaltet. Neben den markanten Baumgruppen durchziehen Gräserstreifen den Grünraum und geben ihm eine weitere Dimension.


"Konzept der Architektur"

Die "Chemiepromenade" soll als Adressgeber dort ansässigen Firmen die Möglichkeit der Umsetzung einer eigenen Formsprache und somit die Darstellung der Firmenphilosophie geben.

Diese Aufgabe übernimmt neben der Stadtplanung, die die Gestaltung der öffentlichen Räume und deren Zusammenhänge regelt, auch die Architektur der Einzelbauten. Sie hat die Aufgabe besondere Bezüge zwischen Innen und Außen herzustellen und die Qualität zusammen mit den Grün- und Freielementen des Landschaftsraumes zu fokussieren.



 Module 


Die Module werden durch eine Flexibilität in ihrer Bauweise bestimmt und sind in ihrer Architektur durch Funktion und Nutzung klar strukturiert.

Städtebaulich orientieren sich die Module innerhalb einer Gruppe zu einen öffentlichen Raum - einen Platz entlang der B8. Sie bilden eine Basis für die Ansiedlung der "Headquarter" und können mit unterschiedlichen Nutzungen von einfachen Büros bis hin zu aufwendigen Labor- und Forschungseinrichtungen belegt werden. Das Konzept der Module nennt sich Multi-Space. Dies ermöglicht den flexiblen Umgang mit unterschiedlichen Arbeitsprozessen durch das Angebot von individuellen, gemeinsamen, offenen und geschlossenen Arbeitsbereichen.



 Headquarter 


Firmen, vorwiegend aus den Bereich der Chemie, mit bereits ansässigen Produktions- oder Forschungsbereichen im Chemiepark, werden in diesen Baukörpern ein ideales Angebot für ihren Hauptverwaltungs- und Firmensitz sowie ihre Außendarstellung am Standort finden.

Die Einzelarchitektur die dabei entstehen kann, soll sich durch eine Einzigartigkeit und mit großen räumlichen Verständnis von Innen und Außen auszeichnen. Die Formsprache wird durch das Konzept nicht vorgegeben, lediglich der städtebauliche Rahmen durch die Berücksichtigung von Abständen dient als Hilfe.

Die Orientierung zum öffentlichen Raum - Vorplatz- und Präsentationsbereich - entlang der B8, die Prägnanz durch die Gebäudehöhe sowie die Gestaltung der Fassade durch Material, Offenheit und Geschlossenheit werden die einzelne Individualität und das Label der Firmen wiederspiegeln und eine Spannung am Ort erzeugen.