Nahtstelle zur Stadt:
    Vom BAYERwerk zum Chemiepark
Leverkusen

 

Hochhaus W1

 Franziska HOFFMANN 

"Belobigung"
Kunsthochschule für Medien Köln


Erläuterung der Konzeptidee


Eine experimentelle Fotodokumentation des Bürogebäudes "W1" der Bayer AG Leverkusen,
basierend auf Fotoaufnahmen vom 26.02. und 16.03.2007

Das "Hochhaus W1" war von 1963 bis 2004 die Führungszentrale des Unternehmens Bayer AG in Leverkusen. Es befindet sich vor den Toren des heutigen Chemieparks und in unmittelbarer Nachbarschaft zur ehemaligen Firmenzentrale (bis 1963), einem Gründerzeitbau und zur heutigen      Konzernzentrale (seit 2004), einem modernen Glaskomplex. Diese drei Gebäude mit ihrer jeweils bezeichnenden Architektur demonstrieren die Tradition und die Entwicklung des weltweit agierenden Unternehmens.

Aktuellen Umstrukturierungen der Bayer AG zufolge, verbunden mit Leerstand, Abriß oder Umnutzung von Gebäuden, wandelt sich das Chemiewerk zum offenen Chemiepark, in dem sich auch andere Firmen ansiedeln können. In diesen Wandel ist auch das "Hochhaus W1" einbezogen, das sich im Entscheidungsprozess zwischen Renovierung und Demontage befindet. Es beherbergt auf 31 Etagen Empfangsfoyer und Lieferzugang, Büro- und Besprechungsräume, Technikräume, Personen- und Lastenaufzüge, Treppenhaus und Poststelle. In schrittweiser Räumaktion ziehen Mitarbeiter und zum Teil das Inventar aus dem Komplex in andere Büroräume innerhalb des Chemieparks.

In diesem "Schwebezustand" setzt meine künstlerische Dokumentation an: Die fotografierte Gleichzeitigkeit von funktionierendem Bürobetrieb, Situationen des Auszuges und bereits leeren Räumlichkeiten zeigt eine Atmosphäre zwischen Alltag und Neubeginn. Dabei lassen sich Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände, Wandbilder und Pflanzen als verbliebene Spuren der Beschäftigten, des Arbeitsklimas und des über 40jährigen Konzernalltags in diesen Räumlichkeiten finden. Ebenso existieren Hinweise auf die internationale Ausstrahlung des Unternehmens und den globalen Austausch.       

Meine Aufnahmen vom Dach des Hochhauses bezeichnen seinen herausragenden Standort. Einem Aussichtsturm vergleichbar sind hier aus der Vogelperspektive der angrenzende Bayer-Chemiepark mit seinen Schornsteinen, die Stadt Leverkusen und das weite Umland zu sehen. Das "Hochhaus W1" gilt als eine weithin sichtbare Markierung des gesamten Stadt- und Industriegebietes – in meinen Fotografien wird diese Besonderheit durch Blicke von innen nach außen aus den höheren Etagen sichtbar.

In einem dynamischen Zusammenspiel von Aussichten, Ansichten und Einsichten des Hochhauses möchte meine künstlerische Arbeit ein momenthaftes und zeitbezogenes Dokument sein, das, unabhängig von der tatsächlichen Zukunft des Gebäudes, ein Stück Firmen- und Ortsgeschichte         beschreiben wird. In der momentanen Situation der Umgestaltung des Hochhausareals möchte ich in einer Bilderauswahl auf dessen bisherige Gestalt verweisen, wobei dieser Rückblick vor allem ein "Zugang" für Außenstehende darstellt. Den Chemiepark-Mitarbeitern und vor allem einer breiteren Öffentlichkeit kann durch die Präsentation meiner Aufnahmen die Anteilnahme am Geschehen ermöglicht werden und somit auch ihre Sichtweise zum geplanten Abriß des "Hochhauses W1" Berücksichtigung finden. Medial denkbar sind eine Fotoausstellung vor Ort und/oder im öffentlichen Raum der Stadt Leverkusen, sowie die Herausgabe einer Broschüre.


URTEIL DER JURY

Die Verfasserin wirft in ihren eindringlichen Fotos einen sensiblen Blick auf die ehemalige Konzernzentrale in ihren außen- und innenräumlichen Wirkungen. Die für die Präsentation ausgewählten Fotografien sind nahezu melancholische Momentaufnahmen – Atmosphären eines Schwebezustandes zwischen altem Nutzungsbehalt, drohendem Abriss und beginnendem Leerstand.
Das Preisgericht würdigt die hohe künstlerische Qualität der Fotografien, vermisst allerdings ein unmittelbares Eingehen auf die im Wettbewerb gestellten Aufgaben.

Es entscheidet in einem Informationsrundgang, die Arbeit aus dem Verfahren zu nehmen und gesondert mit einer durch die Bayer AG unterstützen Ausstellung zu honorieren.