Nahtstelle zur Stadt:
    Vom BAYERwerk zum Chemiepark
Leverkusen

 

Erneuerbare Rohstoffe
— Startschuss für die Zukunft

 Dipl.-Ing.(FH) Christina ALFF / Dipl.-Ing.(FH) Ilka ROSENTHAL 

"Anerkennung"
Städtebau Masterstudiengang Nordrhein Westfalen


ABSTRACT DER ENTWURFSIDEE

Die Leitidee des Entwurfs "Erneuerbare Rohstoffe - Startschuss für die Zukunft" ist die Nutzung von neuen, wieder entdeckten und alternativen Ressourcen und Rohstoffen: Pflanzliche Rohstoffe und menschliches Potenzial. Der Standort Bayer-Leverkusen entwickelt sich zur weltweiten Top-Adresse für Forschung, Entwicklung und Produktion von Grüner Chemie. Aus ganz Deutschland und der Welt kommen junge Leute, um dieses Gebiet (und Weiteres) zu studieren, zu forschen und neue Technologien zu entwickeln: Globale Bildung.

Der Entwurf "Erneuerbare Rohstoffe - Startschuss für die Zukunft" betrachtet das Werksgelände von Bayer, den angrenzenden Stadtteil und die Parkplatzflächen  sowie die nähere landschaftliche Umgebung. Mehrere Schritte stellen die Entwicklung des Gesamtkonzepts zur Vision 2030 dar. Vier Schlüsselbereiche werden vertieft.





 DIE IDEE 


Nachwachsende Rohstoffe stellen unter den Schlagworten "Grüne Chemie" und "Globale Bildung" das Potenzial für eine erfolgreiche Entwicklung des Bayer-Standorts und der Stadt Leverkusen dar.


Grüne Chemie   

Der Anbau erneuerbarer Rohstoffe gehörte bis zur industriellen Revolution ebenso zur Landwirtschaft wie der Anbau von Nahrungsmitteln. Nach einer langen Verdrängungszeit wird die Nutzung erneuerbarer Rohstoffe unter den Aspekten der Endlichkeit fossiler Rohstoffe und der Nachhaltigkeit heute wieder aktuell. Dank neuer Technologien und weiterentwickelter Züchtungen wird der Einsatzrahmen für erneuerbare Rohstoffe immer größer. Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, in der Industrie und in der Wissenschaft werden gesichert.

Die Pflanzen werden in folgende Gruppen unterschieden:

  

 

Stärke- und Zuckerpflanzen:
 
 

in Deutschland Weizen, Kartoffeln, Mais, Erbsen und Zuckerrüben

Faserpflanzen:

Faserlein, Hanf, Fasernessel und Kenaf

Arzneipflanzen:
 

440 einheimischen Arzneipflanzen in Deutschland, ca. 75 Arten aus Anbau

Färberpflanzen:

u.a. Saflors,  Färberwaid, Färberknöterich

Ölpflanzen:

Raps, Öllein und Sonnenblume, Mohn Leindotter und Krambe

Proteinpflanzen:

Ackerbohne, Eiweißerbse und Lupine

Energiepflanzen:
 
 

Fichte, Kiefer, Buche, Eiche und schnellwachsende Baumarten; Triticale, Öl-, Stärke- und Zuckerpflanzen


Einsatzbereiche

Baustoffe, Schmier- und Verfahrensstoffe, Wasch- und Reinigungsmittel, Bio-Kunststoffe, naturfaserverstärkte Kunststoffe, Arzneimittel, Kosmetik, Farben und Lacke, Papier und Pappe, Textilien, Bio-Energie uvm.

Zwischen 1993 und 2006 ist die Anbaufläche in Deutschland von 200.000 ha auf 1.600.000 ha gestiegen. Viele Züchtungen und Einsatzbereiche befinden sich nach jahrelangem Vergessen in der Entwicklung.

Die Arbeit mit erneuerbaren Rohstoffen findet auf verschiedenen Intensitätsstufen statt: Von der Zucht bis zum Feldanbau, von der Arzneipflanze im Gewächshaus bis zum banalen Feldgewächs, vom schnell wachsenden Kraut bis zur Eiche.

In der weiteren Forschung, Optimierung, Verarbeitung und Vermarktung von erneuerbaren Rohstoffen steckt ein enormes Potenzial für Leverkusen. Es werden nicht nur Arbeitsplätze in den verschiedensten Bereichen geschaffen, sondern auch eine attraktive Stadt- und Landschaftsgestaltung erreicht.


Globale Bildung

Die Globalisierung hat weite Felder der Wirtschaft und Politik erreicht. Produktion wird ins Ausland verlagert – und ausländische Studierende kommen nach Deutschland. 2005 waren dies bereits 246.334 (1975: 45.590).
Die meisten Auslandsstudenten kommen aus China; es folgen Polen, Russland und Frankreich. Eine starke Zunahme ist laut Deutschem Akademischem Austausch Dienst [DAAD] zu erwarten.

Fast 10% der weltweit im Ausland Studierenden kommen nach Deutschland. Nach den USA und Großbritannien steht Deutschland damit bei den Gastgeberländern weltweit an dritter Stelle, vor Frankreich und Australien.

Auch die deutsche Politik fordert mehr Studienplätze: Durch den Hochschulpakt sollen bis zum Jahr 2010 90.000 neue Studienplätze geschaffen werden. Forschung und Innovation werden u.a. durch die Hightech-Strategie für Deutschland, die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern und den Pakt für Forschung und Innovation gefördert:

Gütesiegel Bildung und Innovation in Deutschland: Potenzial für Leverkusen !




 DIE SCHRITTE 


Die heutige Situation wird von der fehlenden Verbindung zwischen der Leverkusener Innenstadt und dem Bayer-Werksgelände, einem Werkszaun und Brachflächen geprägt. Zusätzlich wird der Standort Leverkusen als Bayer-Firmenzentrale langfristig in Frage gestellt.

Die geplante Entwicklung vollzieht sich in mehreren Schritten:


Schritt 1

Als Zeichen für die beginnende Veränderung wird das Bayer-Kreuz hervorgehoben. Eine Lichtfassade setzt das Gebäude in Szene.
Die chemische Industrie beginnt sich in einen zentralen Bereich zurückzuziehen.
Die West-Ost-Verbindung zwischen Rhein und Landschaft wird durch einen Grünzug gestärkt.


Schritt 2

Die Brach- bzw. Parkplatzflächen entlang der B8 werden entwickelt. Felder und Gewächshäuser mit Rohstoff-Pflanzen entstehen.
Der Bereich des Bayer-Geländes nördlich des Parks wird in seiner Funktion als Verwaltungssitz und Headquarter gestärkt. Die Campusfunktion kommt hinzu. Der Industriepark Köln-Flittard wird unabhängig.


Schritt 3

Tor 1 wird der Eingangsbereich für Campus, Verwaltung und Forschung. Die Konzentration der chemischen Industrie ist fast abgeschlossen. Die "Achse der jungen Wilden" beginnt, sich als Nord-Süd-Verbindung zu entwickeln. Der Anbau der nachwachsenden Rohstoffe wird Richtung Osten ausgedehnt.


Schritt 4

Im nordöstlichen Bereich des ehemaligen Werksgeländes entsteht die neue Stadtkante mit repräsentativen Unternehmensbauten, Showrooms und transparenten Fassaden. Die chemische Industrie hat sich zurückgezogen.


Schritt 5

Die "Achse der jungen Wilden" verbindet Bayer und Leverkusen. Studenten und Jungunternehmer verwirklichen ihre Ideen in flexiblen und günstigen Containermodulen. Wissenschaft und Handwerk starten hier.
Die B8 ist der führende Standort bezüglich Forschung, Entwicklung und Produktion von nachwachsenden Rohstoffen und deren Verarbeitung.




 DIE VISION 2030 


Bayer und Leverkusen sind verbunden, ebenso wie der Rhein und der Landschaftsraum. Das ehemals abgeschlossene Werksgelände ist Standort für Wissenschaft, Ausbildung, Studium und Verwaltung. Der Stadteingang an der präsentiert Unternehmen und nachwachsende Rohstoffe. Die traditionelle chemische Industrie konzentriert sich modern und hochwertig am Rhein. Gewächshäuser und Felder mit Faser-, Energie- und Medizinpflanzen prägen die Landschaft.




 DAS KONZEPT 


Basierend auf dem Gesamtkonzept "Vision 2030" werden vier Schlüsselbereiche vertieft.


Zoom 1

Bayer trifft Leverkusen
In diesem Bereich leitet die neue Stadtkante von Bayer in die Stadt Leverkusen über. Die Zentrale der "jungen Wilden" ist dort integriert.


Zoom 2

Hier sind wir!
Entlang der B8 präsentiert sich der Anbau, die Forschung und Technologie der nachwachsenden Rohstoffe.


Zoom 3

Bayer Campus
Ausgehend von Tor 1 dienen bestehende und neue Gebäude der Ausbildung, der Forschung und dem Studium.


Zoom 4

An den Rhein!
Drei Poket-Themenparks verknüpfen den Carl-Duisberg-Park mit dem Rheinufer. Themen sind der Japanische Garten, nachwachsende Rohstoffe und Klettern an den Kühltürmen.

Der städtebauliche Entwurf "Erneuerbare Rohstoffe - Startschuss für die Zukunft" weist durch die Nutzung von pflanzlichen Rohstoffen und menschlichem Potenzial den Weg zu einer nachhaltigen Stärkung des Standorts Bayer und der Stadt Leverkusen.


URTEIL DER JURY

Die Arbeit "Erneuerbare Rohstoffe – Startschuss für die Zukunft" von Christina Alff und Ilka Rosenthal greift die laufenden Veränderungen des Chemiestandortes Leverkusen auf und macht futuristische Vorschläge für eine zukünftige Nutzung zu einem integrierten Chemie-Standort. Die Entwicklung von Teilen des Areals für die Herstellung von erneuerbaren Rohstoffen (grüne Chemie) ist fraglich, die planerischen Ansätze sind jedoch visionär und gut hergeleitet.

Eine Gestaltungsachse Nord-Süd (kreative Nutzung  "Achse der jungen Wilden") und Ost-West teilen das Industriegebiet in drei Teile. Der klassischen Chemie wird eine Kernfläche zugeordnet. Daneben gibt es eine Fläche für Forschung und Technologie und einen Bayer Campus mit Headquarter-Streifen. Der Carl-Duisberg-Park soll sich zum Rhein erweitern.

Eine bauliche Betonung der Stadt-Werksgrenze wird vorgeschlagen, aber nicht vertieft. Die Nutzungsvorschläge für die "Achse der jungen Wilden" – vorgeschlagen wird eine Bebauung in Container-Bauweise – zeigt beispielhaft variable Nutzungsmöglichkeiten. Das Preisgericht vermisst eine architektonische Interpretation der vorgeschlagenen Gebäudetypen.