Nahtstelle zur Stadt:
    Vom BAYERwerk zum Chemiepark
Leverkusen

 

Leverkusen — Stadt im Fluss

 Björn MIERAU 

"Anerkennung"
Rheinisch Westfälische Technische Hochschule Aachen
Lehrstuhl und Institut für Städtebau und Landesplanung



ABSTRACT DER ENTWURFSIDEE

Logo Aufgrund der gegenwärtigen ökonomischen Wandlungsprozesse sind Umstrukturierungen des Bayer-Werkes in Leverkusen und seiner Umgebung erforderlich. Ausgehend vom Rhein als seit Generationen prägendem und "raumordnenden" landschaftlichen Element wird daher unter der integrierten Betrachtung von Fluss, Stadt, Werk und der Freiräume der Ansatz entwickelt, ein "Landschaftsband" zu konzipieren, das die vorhandenen Einzelelemente untereinander räumlich und programmatisch verbindet. Diese Verknüpfung trägt zum langfristigen Erstarken der Region bei und wirkt so dem "räumlichen Downgrading" entgegen, das sich derzeit in ganz Leverkusen abzeichnet.

Auf dieser Basis erfolgen verschiedene strategische Entwicklungsmaßnahmen, wobei als entscheidender Impuls zur Neuerung das zwischen Innenstadt und Beamtensiedlung situierte "ChemCom-Gebäude" entwickelt wird. Dieses Gebäude formuliert ein Zentrum der neuen wirtschaftlichen Aktivitäten im Chemiepark. Hier konzentriert sich die wirtschaftliche und soziale Verbindung von Werk und Stadt in einem Punkt. Als signifikante Neuerung steht das ChemCom für den Beginn einer neuen wirtschaftlichen Ära in Leverkusen und stellt einen ersten strategisch orientierten Baustein dar, der weitere Entwicklungen stimulieren soll.





 Entwurfsidee 


Die Rahmenbedingungen an das Bayer-Werk in Leverkusen haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert und machen eine Umstrukturierung des Werksgeländes und seiner Umgebung erforderlich. Das zentrale Problem bildet die Adressbildung für neue Betriebe. Die geringe Attraktivität fördert innerhalb und außerhalb des Werks die Nutzungsabwanderung, mit der Folge des "räumlichen Downgradings" in ganz Leverkusen. Die Entwicklung wird durch den Identitätsverlust des Werks gefördert.
Prägende Rahmenbedingung ist seit Generationen der Rhein, als "raumordnendes" landschaftliches Element. Die Betrachtung von Fluss, Stadt, Werk und der Freiräume führt zum Ansatz, die Verbindung der Einzelelemente untereinander und daraus ein Landschaftsband zu entwickeln. Die Verknüpfung untereinander führt zu einem Wechselspiel, das im Wesentlichen zum langfristigen Erstarken der Region beiträgt.
Den entscheidenden Impuls zur Neuerung wird das ChemCom-Gebäude als Zentrum der wirtschaftlichen Aktivitäten, im Areal zwischen Innenstadt und Beamtensiedlung bilden. Hier konzentriert sich die wirtschaftliche und soziale Verbindung von Werk und Stadt in einem Punkt. Als signifikante Neuerung im Landschaftsband und mit Verbindung zum Umfeld steht das ChemCom für den Beginn einer neuen wirtschaftlichen Ära.



 Situation 


Die Rahmenbedingungen an das Bayer-Werk in Leverkusen haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert und stellen die vorhandenen Strukturen vor neue Herausforderungen. Die begonnene Umstrukturierung des Werksgeländes beeinflusst, durch die enge Verknüpfung von Bayer mit dem Standort, vielschichtig die Region.
Das zentrale Problem bildet die Ansiedlung neuer Betriebe. Hauptmanko ist der Mangel an Fläche zur Außendarstellung im Werksgebiet und die Anbindung nach außen. Der Standortmangel fördert innerhalb und außerhalb des Werks Nutzungsabwanderung, mit der Folge des "räumlichen Downgradings" in ganz Leverkusen.
Diese Entwicklung wird durch den Identitätsverlust innerhalb und außerhalb des Werks zusätzlich gefördert. Leverkusen war Bayer. Dem Definitionsträger der Region wurde durch die Neustrukturierung des Konzerns die regionale Bedeutung entzogen, ohne die Position neu zu besetzen.

Lebensgrundlage ist seit Generationen der Rhein, als "raumordnendes", landschaftliches Element und Nahrungsgrundlage. Auch das Chemiewerk in Wiesdorf entwickelte sich und die Stadt auf dieser Grundlage explosionsartig. Für die Zukunft zeichnet sich eine verbesserte Flächennutzung ab, mit dem Ausschuss überflüssiger Bereiche. Diese Entwicklung lässt sich heute bereits am Stadtrand und über das Chemiewerk verteilt beobachten.

Die Betrachtung von Fluss und umgebender Landschaft, Stadt, Werk und der neuen Freiräume führt zu dem Ansatz, die Verbindung der Einzelelemente und daraus ein Landschaftsband zu entwickeln.
Durch die Verknüpfung stärken sich die thematisch und formal unterschiedlichen Einzelteile untereinander im Band und lassen die Region langfristig zusammenwachsen.



 Ansatz 


Die veränderte Situation für den Chemiestandort Leverkusen macht, aufgrund der engen Verbindungen in Produktion und Verwaltung mit dem Standort, eine großräumige Betrachtung Wiesdorfs und seiner Umgebung erforderlich.
Die Analyse der historischen und gegenwärtigen Situation ergab, dass der Rhein seit jeher das "raumordnende" landschaftliche Element darstellt. Seit Generationen ist der Fluss Lebensgrundlage für die Menschen in und um Leverkusen. Dies galt für den ehemaligen Fischerort Wiesdorf ebenso wie für das Bayer-Werk im 20. Jahrhundert. Den Ausgang der landschaftlichen Neuordnung bildet daher der Rhein. Er wurde seit Mitte des 20. Jahrhunderts, ebenso wie die Dhünn, zunehmend nur noch als Transportweg verstanden. Durch die Neuorientierung Wiesdorfs zum Rhein durch die Landesgartenschau 2005 hat sich die Wahrnehmung erneut verändert.
Neben dieser großflächigen Umnutzung findet jedoch keine zusammenhängende Umstrukturierung der Vielzahl von kleineren Freiflächen statt. So entstehen in den Randbereichen Wiesdorfs und des Chemiewerks ungenutzte Parzellen, die mit rudimentären oder ohne Funktionen brach liegen.



 Konzept 


Im Verlauf führte die Betrachtung von Fluss, Stadt, Werk und vorhandenen Freiräumen zu dem Ansatz, die Verbindung der Einzelelemente untereinander zu optimieren. Das Potential liegt in den unterschiedlichen Nutzergruppen, die bereits am Rand oder auf den Flächen liegen. Durch eine Verknüpfung untereinander werden in Teilbereichen fehlende Funktionen ergänzt und diese an den Bestand angebunden.
Vorhandene Teile dieses Freiraumverbundes sind das Sportgelände um die Bay-Arena, der Landesgartenschau im Norden, der Sportbereich um den Segelflugplatz, sowie im Süden der Carl-Duisberg-Park und die dahinter liegenden Rheinauen.
Ergänzend werden drei neue Themenbereiche hinzukommen, die zwischen Wiesdorf und dem Bayer-Werk liegen:

Jeder dieser Teilbereiche besitzt eine besondere Funktion und Gestaltung, bleibt aber als Element im Landschaftsband die Verbindung zum Grünzug.



 Strategische Maßnahmen 


Ziel ist die Ausformulierung eines kontinuierlichen Freiraumes. Schwerpunkt bildet das Areal nördlich der Beamtensiedlung zu. Den entscheidenden Impuls zur Neuerung wird das ChemCom als Zentrum der wirtschaftlichen Aktivitäten des Chemieparks, im Areal zwischen Innenstadt und Beamtensiedlung bilden.
Die Zusammenführung der unterschiedlichsten Akteure spiegelt sich in dem Ansatz wieder, durch räumliche Nähe verschiedener Funktionen, Synergien freizusetzen, die, bei der Größe des Werks, verstreut nicht möglich sind. Die  vielfältigen Nutzungsbereiche werden in einem Punkt baulich zusammengefasst und in das Umfeld integriert.
Konzentriert  in einem Punkt  befinden sich hier alle nötigen Einrichtungen des Werks und der Stadt, um den Chemiestandort für die Zukunft zu wappnen. Das Gebäude leitet, als signifikante Neuerung im Landschaftsband,  für Leverkusen den Beginn einer neuen wirtschaftlichen Ära ein.



URTEIL DER JURY

Vision: Das Konzept basiert auf der Vision verschiedene Räume der Leverkusener Stadtlandschaft durch ein "Landschaftsband" mit städtebaulichen und nutzungsbezogenen Instrumenten zu verbinden. Diese Idee hat einen stadtteilbezogenenen räumlichen Ansatz, der aufgrund der Heterogenität des Plangebietes in vollem Umfang begründet ist.

Methodik: Die Analyse der zur Verfügung stehenden Flächen im Werk einerseits und der fehlenden Darstellungsmöglichkeiten für Firmen im Chemiepark anderseits ist zutreffend. Als vereinendes Element werden vorhandenen Qualitäten (Dhünn-Aue, LAGA, Carl-Duisberg-Park) aufgenommen und mit neuen Freiräumen und baulichen Nutzungen verbunden. Diese Methodik ist durch Teilentwürfe, Leuchtturmprojekte und einen Rahmenplan anschaulich präsentiert. Durch die einzelnen Bausteine wird auch eine über Jahrzehnte laufende Realisierungsphase ermöglicht.

Konzept: An der Schnittstelle zwischen der Wiesdorfer Bebauung und dem Werksgelände werden Grünentwicklungen, Wegeverbindungen und gastronomische Nutzungen vorgeschlagen. Als neuer Nukleus für wirtschaftliche Aktivitäten im Chemiepark plant der Verfasser einen Gebäudekomplex, den er ChemCom-Gebäude nennt. Dieser Standort bietet sich als verfügbarer und unbelasteter Standort sehr gut für eine hochwertige Nutzung und als bauliche Präsentationsfläche an. Bebauung wie auch landschaftliche Modellierung stellen ein neuartiges Element dar. Diese städtebauliche Großfigur kann nur in einem Schritt realisiert werden. Daher stellen sich hier hinsichtlich der Finanzierbarkeit enorme Anforderungen an den zukünftigen Investor.
Im Süden wird über eine Aufwertung des Carl-Duisberg-Parks und einen Brückenschlag (Hängebrücke) über die Gleise eine funktionierende Anbindung an die Grünflächen auf Kölner Gebiet aufgezeigt.
Die zeichnerischen Darstellungen entsprechen weitgehend den vom Auslober genannten Erwartungen.

Ort: Die Aufgabenstellungen "Werksanbindung an Wiesdorf" und neue Nutzungsmöglichkeiten an der B8 werden überzeugend gelöst. Demgegenüber werden zu den Entwicklungen innerhalb des Werksgeländes und zur Öffnung dessen bestehender baulicher Abgrenzung kaum bzw. keine Lösungsansätze genannt.