Nahtstelle zur Stadt:
    Vom BAYERwerk zum Chemiepark
Leverkusen

 

Nahtstelle zur Stadt
[ursprünglicher Titel: Mauerwerk]

 Julia URL 

"Anerkennung"
Technische Universität Darmstadt
Lehrstuhl für Entwerfen und Stadtentwicklung




 Vom BAYERwerk zum Chemiepark
– Der "Carl-Duisberg-Park" 


Die Stadt Leverkusen ist in Ihrer Entwicklung untrennbar mit der Bayer AG verbunden. Die Umsetzung des "Carl-Duisberg-Parks" ist ein großer Schritt in der Standortgeschichte, das Bayer-Werk erlebt eine Transformation.
Bisweilen hat eine Mauer das Chemiewerk umgeben und somit das Ortsbild von Leverkusen massiv bestimmt.

Den Trend der Bayer AG zu mehr Offenheit und Transparenz soll auch die Mauer verfolgen. Das bisher als negativ empfundene statische Bauwerk wird zu einem dynamischen, alles verbindenden Band, welches sich wie eine Landschaft um das Gelände faltet.

Diese Mauer wird zum zentralen Entwurfsthema.



 Die Mauer wird zum Band 


Dieses Band wird mit vielen verschiedenen Funktionen aufgeladen und wird dadurch zu einem zentralen Gebrauchsgegenstand der Bürger der Stadt Leverkusen.

Es wir zur Liegewiese am Fluss, zur Uferlandschaft, zur Brücke, zum Stadt- und Parkmöbel, zum Radweg, zur Zuschauertribüne, zur Laufbahn, zur Projektionsfläche für ein Freilichtkino, zur Leinwand für Künstler, zur Skulptur ……

Um das gesamte "Carl-Duisberg"-Chemieparkgelände entstehen verschiedene räumliche Qualitäten, die allesamt durch den Verlauf und die Funktion des Bandes entstehen und von der Faltung, Lage, Reihung oder Neigungswinkel des Bandes entstehen Bereiche, die sehr offen wirken und zum Verweilen einladen oder aber auch intime Räume mit Pilgercharakter. Andere Teilbereiche des Bandes definieren sich durch ihre Funktion, wie beispielsweise Rad- und  Laufwege, Übergänge oder Überdachungen.



 Der "Carl-Duisberg"-Chemiepark 


Der neue Carl-Duisberg-Park wird in seiner Struktur optimiert. An den Außenrändern im Norden und Süden gibt es starke Rückbauten, die das Gelände flächenmäßig verkleinern. Innerhalb des Parks werden die Gebäudeanordnungen funktionaler. Die Neubauten ergänzen durch ihre Eingliederung in das vorhandene Blocksystem die Struktur und optimieren es.

Im Sinne der Flexibilität werden immer wieder große Freibereiche als Reserveflächen zur Verfügung gestellt. Das vorhandene Blocksystem wird in seiner Grundstruktur übernommen, jedoch durch Straßenverbreiterungen und Optimierung von Kreuzungssituationen den heutigen und künftigen Standards angepasst.

Die Blockstruktur erlaubt durch ihre klare Gliederung eine sehr effiziente Bereichsaufteilung.



 Die angrenzenden Gebiete 


Etwa in der Mitte des Parks verläuft von Osten nach Westen eine Schneise, die eine optische Verbindung von den Wohnbereichen östlich des Parks bis zum Rhein schaffen soll. An diesen langen schmalen Grünzug schließen die Verwaltungsbauten und semiöffentlichen Bauten des Carl-Duisberg-Parks an.



 "Virtual Reality" 


So heißt der Bereich östlich des Parks, der für den Carl-Duisberg-Park eine besondere Rolle spielt. Im einstigen "Niemandsland" siedelt sich eine Gebäudegruppe an, die für die Öffentlichkeit zugänglich ist und sozusagen eine Schau-Fabrik ist. Alle am Park beteiligten Firmen können sich dort präsentieren, die Bevölkerung kann aktiv am Geschehen teilnehmen.

Ein weiterer Bereich östlich des Carl-Duisberg-Parks wird in 2 Zonen mit Dienstleistungsbereichen aufgeteilt. Diese Zonen erlauben eine gut funktionierende Nachbarschaft von Wohngebiet, dem neuen Park und den Dienstleistungsbereichen. Dieser "Dienstleistungspark" dient neben seiner eigentlichen Funktion auch als Puffer zwischen Wohn- und Parkgebiet.


URTEIL DER JURY

Zentrales Thema im Entwurf von Julia Url ist die Neuinterpretation und Verlängerung der alten Werksmauer. Es gelingt der Autorin mit dem Leitgedanken des "flexiblen Bandes", die notwendigen Produktionsbedingungen zu erhalten und zugleich jene neue Flexibilität und Veränderung zu schaffen, die Ausdruck moderner dienstleistungsorientierter Produktion ist.
Dabei bezieht sie die Stadt mit ihren Menschen aktiv in die neue, zum Fluss geöffnete Struktur ein.

Inspiriert von der Offenheit, die sich in der neuen Konzernzentrale von Helmut Jahn zeigt, wird das Selbstverständnis eines Weltkonzerns schrittweise übertragen auf problematische Berührungspunkte zwischen Altwerk und Stadt. Aus der Mauer werden Elemente eines Landschaftsbandes, das sich schrittweise um das Werk legt. Eine neue vertikale Achse öffnet das Werk und verbindet Wohnen im Osten mit dem Fluss im Westen. Auch wenn diese Achse besser in der Verlängerung von Tor 1 angelegt wäre, bleibt sie ein interessanter Gedanke wachsender Transparenz.

Die Gestaltungen entlang und östlich der B8 bleiben entwicklungsfähig.

Insgesamt eine mutige, eine dynamische, eine umsetzbare Skulptur, die Freiräume für den wechselseitigen Austausch zwischen Chemiepark und Stadt schafft und die Zusammenarbeit von Chemiepark und Stadt kulturell bekräftigt.