Nahtstelle zur Stadt:
    Vom BAYERwerk zum Chemiepark
Leverkusen

 

Leverkusen_21

 Holger HOFFSCHRÖER 

"Erster Preis"
Universität Dortmund
Fakultät Raumplanung



ABSTRACT DER ENTWURFSIDEE

Plan Der Entwurf LEVERKUSEN_21 beschäftigt
sich mit zwei zentralen Fragestellungen:
Wie wird das Verhältnis von Stadt Leverkusen
und Werk in Zukunft aussehen? Wie
läßt sich der gewerbliche Standort zukunftsfähig
weiterentwickeln?
Die Grundidee besteht darin, LEVERKUSEN_
21 als neue Stadtteil zu einem integralen
Bestandteil der Stadt Leverkusen für
das 21. Jahrhundert zu machen.
Der Raum zwischen Stadt und Werk wird
als Grünraum aufgewertet. Eine Achse
verbindet das Zentrum der Stadt über den
neuen Stadtteil bis zum Carl-Duisberg-
Park. Der gewerbliche Teil des heutigen
Bayer Chemieparks erfährt eine Öffnung
und Neuausrichtung. Die Funktionen Arbeiten,
Bildung, Erholung und Wohnen werden
als Bausteine eines Gesamtkonzeptes
profiliert.
Im Zentrum der gewerblichen Entwicklung
als Chemiestandort steht die Fokussierung
auf den Faktor Wissen und Innovation. Die
Bereiche Forschung und Entwicklung, das
Experimentierfeld und ein Bildungszentrum
bilden die Bausteine der Innovation. Sie
stehen über Wissens-, Koordinierungs- und
Warenströme mit den Produktions- und
Verwaltungsbausteinen in Interaktion.
Als zentraler Baustein wird der Bereich
Forschung und Entwicklung zum neuen
Aushängeschild von LEVERKUSEN_21.
Die Forschungs- und Entwicklungsunternehmen
werden an einem städtischen Boulevard
konzentriert. Durch den Umbau der
Friedrich-Ebert-Straße entsteht ein grünes
Rückgrat an dem sich die die Unternehmen
ansiedeln. Repräsentative Bürogebäude
entlang der Straße und Laborgebäude und
Versuchshallen werden in einer entwicklungsfähigen
Blockstruktur zusammengefaßt.
Die Blöcke entwickeln sich im westlichen
Teil aus den bestehenden Blöcken
A bis E des Bayer Chemieparks, im Osten
wird das "Niemandsland" neu besetzt und
durch bestehende grüne und gebaute
Elemente strukturiert. Die Verbindung zum
Bestand erfolgt über Grünachsen, die bis
an den Boulevard herangeführt werden.






URTEIL DER JURY

Der Wettbewerbsbeitrag "Leverkusen 21" orientiert sich in seiner räumlich-funktionalen Konzeption weitgehend an den Vorstellungen der Bayer AG zur Gliederung und zukünftigen Nutzung des Werksgeländes. Gleichwohl entwickelt der Verfasser auf der Basis dieser vergleichsweise als realistisch anzunehmenden Grundkonstellation eine eigenständige städtebauliche Vision. "Leverkusen_21" greift die Potenziale der architektonischen, städtebaulichen und landschaftsgestalterischen Fragmente im Umfeld des Bayer Werks geschickt auf und fügt sie zu stringenten Raumqualitäten unverwechselbarer Identität:

Der Carl-Duisberg-Park wird – wie der Central Park in New York – baulich klar gefasst, sowohl zum Rhein als auch über die B8 hinaus geöffnet und so als Bindeglied einer neuen, standortprägenden Landschaftsschneise "urbanisiert."

Die B8 wird zum Rückgrat des als städtebaulicher Motor zukünftiger Veränderungsprozesse ausgewiesenen Forschungs- und Entwicklungsboulevards. Der B8-Boulevard wird in Blocktiefe von repräsentativer Architektur begleitet, die zusammen mit den quer verlaufenden Alleen, baumbestandenen Straßen und historisch bedeutenden Solitärbauwerken die Straße sequenzartig gliedern. Neues Rathaus und Bayer Academy bilden die hochkarätigen Zielpunkte dieser neuen urbanen Achse Leverkusens.

Carl-Duisberg-Park, B8-Boulevard, neues Rathaus und dessen ebenso überzeugende Verbindung mit dem neuen "Kulturforum" am Rhein fassen das Werksgelände U-förmig ein.

Holger Hoffschröer gelingt mit der konsequent durchgehaltenen Strategie der "In-Wert-Setzung" vorhandener Räume, Gebäude und Raumstrukturen nachvollziehbar die Ausbildung eines neuen Stadtteils, der erstmals Werk und Stadt – bzw. Chemie- und Gewerbecluster und das urbane Umfeld – in einer intensiven, geradezu symbiotischen Verzahnung darstellt. Der Raum der Chemieproduktion wird kaum verändert; es bleibt ein introvertierter Ort.

Kritisch anzumerken sind folgende Punkte:

1. Die zukünftige LKW-Erschließung der Chemieproduktion ist nicht ersichtlich. Die vorhandene Logistikfläche ist verplant.

2. Der Boulevard dürfte infolge der geplanten dichten Blockbebauung mit lediglich einer Fahrspur je Richtung den verkehrlichen Anforderungen nicht gewachsen sein.

3. Die bauliche Dichte des F+ E-Bandes erscheint weit überzogen, insbesondere vor dem Hintergrund des – notwendigen – Aufbaus einer räumlich kräftigen Bebauung am Carl-Duisberg-Park.


Die skizzierten Schwächen sind durchweg überarbeitungsfähig und schmälern den sehr positiven Gesamteindruck nur unwesentlich.