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Die Arbeit des Gremiums LITERATUR

Im Gremium Literatur wählen mehrere Fachberater zusammen mit Mitgliedern des Kulturkreises die jährlichen Förderpreisträger aus. Darüber hinaus wird seit 1989 der Hans-Erich-Nossack-Preis für ein literarisches Gesamtwerk vergeben. Selbstbewerbungen sind nicht möglich. Seit einigen Jahren werden neben der unmittelbaren Autorenförderung auch umfangreiche Übersetzungsprojekte, in erster Linie aus osteuropäischen Ländern, gefördert. Bisher wurden türkische, bulgarische, georgische und arabische Erzählungen und Romane ins Deutsche übertragen. Im Jahr 2005/06 wurde ein Essayband mit literarischen Texten von mitteleuropäischen Autoren herausgegeben mit dem Titel "Sarmatische Landschaften".
Seit 2002 vergibt das Gremium, unter der Leitung von Dr. Horst Annecke,  auch einen Preis für junge Dramatiker, jeweils in Kooperation mit einem führenden deutschen Theater.

Wirklichkeit im Roman
und junge Lyrik

Literaturpreise 2006

Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft ehrt den Autor Ernst-Wilhelm HÄNDLER mit dem Hans-Erich-Nossack-Preis 2006. Der Preis ist mit 10.000 € dotiert.

Drei Förderpreise für Literatur in Höhe von je 5.000 EUR gehen in diesem Jahr an die Lyriker Hendrik JACKSON, Monika RINCK und Anja UTLER. Die Förderpreisträger sind eingeladen zum "Festival Neue Poesie" [1. bis 3.9.] nach Köln und erhalten ein Stipendium von der SYLT QUELLE zum Wohnen und Arbeiten im Kunstraum in Rantum auf Sylt.

Im Gremium Literatur des Kulturkreises wirkten in diesem Jahr als Juroren Thomas Böhm, Prof. Jörg Drews, Ulf Stolterfoht, Indra Wussow und Horst Annecke, dem Vorsitzenden des Gremiums Literatur, mit.

Die Preisverleihung findet am 30. September 2006 im Rahmen der Jahrestagung des Kulturkreises in Dresden statt.

VORSTELLUNG DER PREISTRÄGER:

 Ernst-Wilhelm HÄNDLER 44 Der Schriftsteller Ernst-Wilhelm Händler, Erzähler und Unternehmer, hat sich in bisher fünf Büchern (ein Erzählungsband, vier Romane) vorgenommen, das zeitgenössische Wissenschafts- und Wissenschaftstagungswesen sowie vor allem Vorgänge in der zeitgenössischen Wirtschaft — Firmenführung und Familienkonflikte; Firmenverkäufe und Konjunkturschwankungen — in einer betont sachlichen, dezidiert nicht-ideologischen, nicht-moralisierenden Weise erzählerisch darzustellen.

Ernst-Wilhelm Händler wurde 1953 geboren.
Sein Studium der Wirtschafts- wissenschaften und Philosophie in München schloss er mit einer Dissertation über "Die logische Struktur und die Referenz von mathematischen ökonomischen Theorien" ab.
Nach dem Studium übernahm er als Geschäftsführer die familieneigene metallverarbeitende Firma bei Regensburg.
1995 erschien in der Frankfurter Verlagsanstalt sein viel beachtetes literarisches Debüt, der Erzählungsband "Stadt mit Häusern".
Es folgten 1996 der Philosophenroman "Kongreß", 1997 der Wirtschaftsroman "Fall", 1999 der Architektenroman "Sturm", der von der Kritik als der "wirklichkeitshaltigste Roman der deutschen Gegenwartsliteratur dieses Jahrzehnts" bezeichnet wurde.
1999 wurde er mit dem erstmalig verliehenen Erik-Reger-Preis ausgezeichnet.
Im Herbst 2002 erschien der neue Roman von Ernst-Wilhelm Händler "Wenn wir sterben", über den die FAZ schrieb: "Ernst-Wilhelm Händler vollzieht in seinem raffinierten Roman nichts Geringeres als die feindliche Übernahme der deutschen Gegenwartsliteratur."
2003 erhielt er für "Wenn wir sterben" den Preis der SWR-Bestenliste Bestes Buch des Jahres 2002 und den Kulturpreis der Stadt Regensburg.
Im Herbst 2006: erscheint sein neues Buch "Die Frau des Schriftstellers" in der Frankfurter Verlagsanstalt.



 Hendrik JACKSON 44 Was Hendrik Jacksons "brausende bulgen" — und darum soll es vor allem gehen — zu einem so außerordentlichen Buch macht, ist sein völlig unerwartetes Erscheinen.
Ein langes, 140seitiges Prosagedicht, dass sich der Biografie, vor allem aber der Sprache Thomas Müntzers annimmt und die Themen Religiosität und Revolution vor dem Hintergrund der Bauernkriege verhandelt — darauf hatte man nun wirklich nicht gewartet. Und wie groß ist die Überraschung, wenn so ein Unternehmen dann auch noch gelingt.

Geboren 1971, lebt Hendrik Jackson in Berlin als Schriftsteller und Übersetzer. Er ist verantwortlich für www.lyrikkritik.de.
"einflüsterungen von seitlich" morpheo-Verlag, Berlin 2001.
"brausende bulgen – 95 Thesen über die Flußwasser in der menschlichen Seele" edition per procura, Wien 2004.
"Dunkelströme. Gedichte" kookbooks, Berlin, Idstein 2006.
Übersetzter Gedichtband: Marina Zwetajewa "Poem vom Ende/Neujahrsbrief" edition per procura, Wien 2003.



 Monika RINCK 44 Monika Rinck ist eine Lyrikerin mit einem ganz eigenwilligen Ton zwischen Phantasie und Wissenschaftlichkeit, Religionsgeschichte und Literatur- wissenschaft. Neben ihren Gedichtbänden treibt sie seit Jahren ein bemerkenswertes Internetprojekt voran, das die Grenzen begrifflichen Denkens testet: www.begriffsstudio.de

Monika Rinck wurde 1969 in Zweibrücken geboren. Sie studierte Religions- wissenschaft, Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Bochum, Berlin und Yale und lebt jetzt als Autorin in Berlin. Monika Rinck veröffentlichte zahlreiche Essays, Prosa und Gedichte in Zeitschriften und Anthologien. 2003 erhielt sie das Lyrik-Stipendium der Stiftung Niedersachsen. In der von Heinz Kattner herausgegebenen und von der Stiftung Niedersachsen geförderten Lyrik-Edition des Zu-Klampen-Verlages erschien im Jahr 2004 ihr Gedichtband "Verzückte Distanzen. Gedichte".



 Anja UTLER 44 Die 32jährige Autorin Anja Utler liefert in dem Ende 2004 im Verlag Korrespondenzen in Wien erschienenen Gedichtband "münden - entzüngeln" eine höchst erstaunliche, extrem sprachökonomische und strenge Elementarlehre des Sprechens auf dem Niveau der Poesie. Anja Utler verleiht in ihren - übrigens in ihrer eigenen Rezitation geradezu magisch konzentrierten - Gedichten Erfahrungen Sprache, die vor der Sprache oder außerhalb der Sprache zu liegen scheinen. Sie erobert in ihren Gedichten der lyrischen Diktion eine neue Intimität und wahrt dabei Diskretion; sie erfindet eine Rhythmik ohne strophische und metrische Schematik, sie lässt Mythen sprechen ohne bloß Mythologie zu inszenieren und lässt Artikulation expressiv zu Bedeutung werden. Ihre Körpergedichte, ihre Liebesgedichte, ihre Naturgedichte entspringen jenem utopischen Ort im menschlichen Wesen, wo Physis und Sprache, Zeichen und Bedeutung eins sind.

Anja Utler wurde 1973 in Schwandorf, Oberpfalz, geboren.
Lebt in Wien.
Studium der Slavistik, Anglistik und Sprecherziehung in Regensburg, Norwich und St. Petersburg. Promotion zur russischen Lyrik der Moderne.
"münden — entzüngeln. Gedichte" Edition Korrespondenzen: Wien, 2004.
"aufsagen. Gedichte" Bunte Raben Verlag, Lintig-Meckelstedt, 1999.
Im Herbst 2006 erscheint in der Edition Korrespondenzen der Gedichtband "brinnen".
Übersetzungen der Gedichte wurden in Großbritannien, Schweden, Slowenien, Russland, Frankreich und der Slowakei publiziert.
Lyrikübersetzungen:
Neue Rundschau, 2006:1, H.D. "Seegras: Gedichte" (aus dem amerikanischen Englisch)
"Vorwärts, ihr Kampfschildkröten!" hg. von Hans Thill. Wunderhorn Verlag: Heidelberg, 2006 (aus dem Ukrainischen).



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Dramatiker-Preis 2006

Der Thüringer THOMAS FREYER [25] erhält 2006 den Dramatiker-Preis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI, der in diesem Jahr in Kooperation mit dem Schauspielhaus Hannover vergeben wird.

 THOMAS FREYER

Die Jury — Ulrich Khuon, Intendant des Thalia Theaters Hamburg, Prof. Michael Huthmann, Dramaturg beim Schauspiel Bochum, Wilfried Schulz, Intendant des Schauspielhauses Hannover sowie der Theaterkritiker Till Briegleb, Hamburg — wählte zusammen mit dem Vorsitzenden des Gremiums Literatur Horst Annecke am 12. Juni den Nachwuchsdramatiker aus 18 nominierten Autoren aus.

THOMAS FREYER erhält 7.500 € und den Auftrag, ein neues Stück zu schreiben. Er wird durch die Dramaturgie des Hannoverschen Schauspielhauses unterstützt und hat Gelegenheit, das eigene Werk intensiv mit dem Ensemble des Theaters zu erarbeiten. Das Schauspielhaus Hannover erhält das Recht zur Uraufführung und plant das Stück für die Spielzeit 2007/08 in Hannover ein.

Die offizielle Preisverleihung an Freyer findet anlässlich der Jahrestagung des Kulturkreises am 30. September 2006 in Dresden statt.

Als Begründung für die Wahl formulierte der Jury-Vorsitzende Intendant Wilfried Schulz: "Freyer greift wichtige und aktuelle und auch politisch brisante Themen auf und findet spannende Formen der sprachlichen Verdichtung hierfür."



THOMAS FREYER wurde am 10. Juli 1981 in Gera (Thüringen) geboren; 2000 Abitur, ebenfalls in Gera.

2001 Einladung zum Paul-Maar-Seminar (Kinder- und Jugendtheaterdramatik) nach Wolfenbüttel sowie Dramaturgiepraktikum am Hans-Otto-Theater, Potsdam (Bereich Kinder- und Jugendtheater).

Von 2002 bis 2006 Studium Szenisches Schreiben an der Universität der Künste (UdK) Berlin.
2004 Einladung der Werkstattinszenierung von nach Berlin (Text / Regie) der Theater-FABRIK des Theaters Altenburg-Gera zum Theatertreffen "Junges Theater" in Erfurt.

Amoklauf mein Kinderspiel wurde 2006 beim Berliner Stückemarkt mit dem Förderpreis des Theatertreffens ausgezeichnet. Die Uraufführung am 28.05.2006 im Deutschen Nationaltheater (DNT) Weimar in Koproduktion mit dem Theater an der Parkaue, Berlin (Regie: Tilmann Köhler).



Pressestimme zum Stück Amoklauf mein Kinderspiel

"Der 25-jährige Autor aus Gera sucht zwischen Plattenbau und Kaufland nach Halt in einer Wendeschulzeit. Dass es nichts zum Festhalten gibt, steht im Stücktitel: AMOKLAUF MEIN KINDERSPIEL. Freyer hat zusammen mit dem jungen DNT-Hausregisseur Tilmann Köhler, mit den Schauspielern Elisabeth Heckel, Thomas Braungardt und Cornelia Rosenkranz die Fassung erarbeitet, die am Sonntag im Foyer III des Deutschen Nationaltheaters Weimar Premiere hatte. Entstanden sind 70 spannende Minuten, in denen selbst die Stille atemlos wirkt."

Ostthüringer Zeitung vom 30. Mai 2006



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Eine Auswahl von Preisträgern im Bereich LITERATUR:

Heinrich Böll 1953
LITERATUR-NOBELPREIS 1972


Ingeborg Bachmann 1955


Paul Celan 1957


Hans-Erich Nossack 1957

[Zitat aus: "Die Schalttafel"
geschrieben 1949/50
hier zitiert nach "Die Erzählungen"
Suhrkamp Verlag Frankfurt M. 1987
S. 422, ab Zeile 14]


Günter Grass 1958
LITERATUR-NOBELPREIS 1999


Nelly Sachs 1959
LITERATUR-NOBELPREIS 1966


Ernst Jünger 1960

[Zitat aus: "Gläserne Bienen"
Ernst Klett Verlag Stuttgart 1957,
11.-14. Tausend
S. 50 letzter Absatz]


Hans Bender 1961


Wolfgang Koeppen 1961


Albert Paris Gütersloh 1963


Marie Luise Kaschnitz 1964


Arno Schmidt 1965


Thomas Bernhard 1967


Elias Canetti 1971
LITERATUR-NOBELPREIS 1981


Barbara Frischmuth 1975


Rose Ausländer 1978


Günter Kunert 1980


Anne Duden 1984


Christoph Ransmeyer 1986


Günter de Bruyn 1987

[Zitat aus: "Zwischenbilanz
- Eine Jugend in Berlin"
S. Fischer Verlag Frankfurt/M. 1992
S. 295 mittlerer Absatz]


Oskar Pastior 1988


Robert Schindel 1989


Friederike Mayröcker 1989


Thomas Kling 1991


Robert Menasse 1992


Günter Herburger 1992


Edgar Hilsenrath 1994


Kathrin Schmidt 1997


Rafik Schami 1997


Daniel Kehlmann 1998


Volker Braun 1998


Michael Lentz 2002


Katrin Röggla 2003


Dimitré Dinev 2004


Dieter Forte 2004


Walter Kempowski 2005




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Projektförderungen:



Berlin-Stiftung für Literatur und Sprache 1961-1964

Video Werkstatt für das Literarische Colloquium Berlin 1989

Übersetzungsprojekt
"Prosa-Anthologien des
20. Jahrhunderts"
– seit 1987:

  • türkische Literatur
  • bulgarische Literatur
  • georgische Literatur
  • arabische Literatur
  • slowenische Literatur
  • sarmatische Literatur




H.Böll


Was weiß ich von der entsetzlichen Langeweile der Frauen? Von ihrer Enttäuschung über allzu billige Beute? Was weiß ich von dem Überdruß eines Wesens, das seinen Leib als Spieleinsatz auf den Tisch legen muß, um begehrt zu werden? Das sich der Plage unterzieht, seinen Wuchs durch hohe Absätze an den Schuhen um ein paar Zentimeter höher erscheinen zu lassen, nur um schön gefunden zu werden? Und von wem? Keine Frau findet sich schön, wenn sie für sich ist; das ist nicht von ihr erfunden. Und was weiß ich von der zermürbenden Aufgabe, dies Dasein beherrschen zu müssen, ohne es merken zu lassen? Anonym, ja, vorbildlich anonym!
H.E.Nossack

G.Grass


N.Sachs


Das Ganze war von gediegener Nüchternheit, nicht prächtig, aber Leben ausströmend. Das galt vor allem für die Kunstwerke. Ich hatte mitunter Gelegenheit gehabt, berühmte Bilder und Statuen, wie man sie nur von den Kalendern oder aus Museen kennt, in Häusern schnell reich oder mächtig gewordener Männer anzusehen. Der Anblick enttäuschte, weil sie ihren Ausdruck, ihre Sprache verloren hatten wie Vögel, die Gesang und Glanz einbüßen, wenn man sie in einen Käfig sperrt. Ein Kunstwerk leidet, verblaßt in Räumen, in denen es einen Preis hat, aber keinen Wert. Es kann nur leuchten, wo es von Liebe umgeben ist. Es muß in einer Welt verkümmern, in der die Reichen keine Zeit und die Gebildeten kein Geld haben. Doch nie stimmt es erborgter Größe zu.
E.Jünger

E.Canetti


B.Frischmuth


Dieser erste (Kommunist) also erzählte mir, als ich die unbehausten Ostpreußen bedauerte, eine lehrhafte Parabel, deren Quelle (ein sowjetischer Roman? Stalins Gesammelte Werke?) er nicht erwähnte oder die ich vergaß. Die Geschichte, die die Erkenntnis vermitteln sollte, daß rationale Planung besser als Mitleid und Barmherzigkeit sei, handelte von Flüchtlingen, die bei der Rückkehr in ihr zerstörtes Dorf bei eisiger Kälte nur einen Raum noch bewohnbar finden und sich nun fragen, wem der zur Verfügung gestellt werden müßte: den Alten, den Kranken, den Schwangeren? Nein, lautete die richtige Antwort: den Raum erhält der Erbauer der zukünftigen Häuser für alle, also der Organisator, der Planer, der Architekt.
G.de Bruyn