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Die Arbeit des Gremiums BILDENDE KUNST

Im Gremium Bildende Kunst arbeiten unter dem Vorsitzenden Arend Oetker Mitglieder des Kulturkreises mit wechselnden Fachberatern zusammen, um Förderpreise an junge Künstler zu vergeben. Die Auswahl erfolgt nach inhaltlichen Schwerpunkten, die die aktuellen Tendenzen in der zeitgenössischen Bildenden Kunst wiederspiegeln; Selbstbewerbungen sind nicht möglich. In der Ausstellungsreihe "ars viva", die jeweils in drei wechselnden Kunstvereinen oder Museen für zeitgenössische Kunst stattfindet, werden die Arbeiten der Preisträger dann präsentiert; ein zweisprachiger Katalog erscheint zur Ausstellung.
Im "Haus der Deutschen Wirtschaft" in Berlin, dem Sitz des BDI, betreut das Gremium außerdem das "kunstfenster" in dem Installationen ausgezeichneter Künstler vorgestellt werden.

"Bis in die Wurstfabrik"
Interview mit Arend Oetker

Herr Oetker, im Kulturkreis des Bundesverbandes der Deutschen Industrie gibt es ein eigenes Gremium für Bildende Kunst.
Was bringt denn die Beschäftigung mit Kunst für Unternehmen - über den bloßen Imagegewinn hinaus?

 "Echo"
Eva Grubinger "Echo" 2006

Es ist nicht egal, in welchem Raum man sich befindet und wie der Raum aussieht, auf welchem Stuhl man sitzt und wie der gestaltet ist. Und es ist auch nicht egal, was an den Wänden hängt. Wenn diese Kunst eine gewisse Qualität, individuelle Ausstrahlung und Kraft hat, dann geht man morgens mit größerer Freude zur Arbeit. Aus diesem Grund hat der Wurstfabrikant Karl Ludwig Schweisfurth (Herta) sogar seine Fabrikräume künstlerisch gestaltet.

Verändert Kunst in Unternehmen das Denken?

Das kann man sicher nicht wissenschaftlich nachweisen, aber sie reizt auf jeden Fall die Phantasie. Man bekommt einen neuen Blick.

Und das ist für Firmen heute wichtig?

Absolut. Es ist wichtig, daß die Mitarbeiter nicht in Kästchen denken. Wenn wir etwas Innovatives schaffen müssen, ist eine Kombination aus Verstand und Phantasie gefragt. Und Phantasie gibt es in jedem Fall in der Kunst, manchmal auch Verstand und Phantasie. Das ist anregend. Man beginnt, darüber nachzudenken, wer man ist, was man tut, was man kann und was man nicht kann.

Können Unternehmen selbst künstlerisch agieren?

Nein, so weit würde ich nicht gehen. Sie können Kunst fördern, aber sie haben natürlich einen Geschäftszweck. Aber ich bin überzeugt davon, daß derjenige, der Kunst fördert, seinem Geschäftszweck letztlich auch dient.

Künstler und künstlerische Institutionen stehen oft als Bittsteller da. Weil die öffentliche Hand die Kulturförderung kürzt, müssen sie neue Quellen erschließen. Da sind Stiftungen und Sponsoring-Abteilungen immer stärker gefragt.

Können Künstler ihr Verhältnis zu den Unternehmen gleichberechtigt gestalten oder bleiben sie Bittsteller?

Das Wort Bittsteller gefällt mir zwar nicht so richtig, aber ganz falsch ist es nicht. Darum hat der Staat hier eine wichtige Aufgabe: Die Kultur ist ein Teil der Bildung, die über die Steuern und damit vom Staat finanziert wird, und wir tun gut daran, diesen Anteil nicht zu stark zurückzufahren. Ich hoffe, daß wir auch wieder in die Lage kommen, das eine oder andere mehr zu machen. Im Moment ist das nicht so, und deshalb nehmen Public Private Partnerships zu, bei denen der Staat und private Geldgeber gemeinsam aktiv werden. Und ein Sponsoring wird immer wichtiger, das dem Image und Wert des Unternehmens einen präzisen Nutzen geben muss. Doch daneben gibt es auch das Mäzenatische, das hoffentlich nicht untergeht. Dieser Bereich hat es schwerer. In diesem Fall sind auch wir die Bittsteller, die im Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI dafür werben, das sich Unternehmer auch mäzenatisch engagieren

Inwieweit rechnet es sich für Unternehmen in Zahlen, sich für Kunst zu engagieren? Lockt Kunst beispielsweise neue Kunden an?

Daß die Deutsche Bank die Berliner MoMA-Schau gefördert hat, hat ihr zweifellos geholfen. Immer dann, wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung abstrakt ist, ist der Bedarf für so etwas wie Kunst oder Kultur größer.
Banken oder Versicherungen brauchen diese Art der Kommunikation in einem höheren Maße als etwa Autokonzerne. Heute gehören für große Unternehmen solche Aktivitäten einfach dazu, und auf diese Weise bekommen sie auch bessere Mitarbeiter.

Trägt Kunst dazu bei, ein ramponiertes Image wieder aufzupolieren?

Nein, daran glaube ich nicht. Dafür müssen Sie das entsprechende Problem oder Fehlverhalten direkt beheben. Kunst ist zu schade dafür, um sie über Imageprobleme zukleistern, und das funktioniert auch nicht.

Die von Ihnen geförderte Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig beschäftigt sich mit allem anderen als gängigen künstlerischen Formen und Themen.

 "Echo"
Eva Grubinger "Echo" 2006

Warum haben Sie sich ausgerechnet für diese Institution stark gemacht?

Als die Wende kam, suchte ich im Osten Deutschlands nach etwas, für das ich mich engagieren könnte. Damals habe ich den DDR-Kulturminister Dietmar Keller besucht und ihn gefragt, was der Kulturkreis und was ich machen könnte. Er schlug vor, mich doch in Weimar zu engagieren. Aber ich wollte bewußt etwas Neues, etwas Zeitgenössisches unterstützen. Mit dem Leipziger Kunsthistoriker Klaus Werner, den ich schon vor der Wende kannte und der eine ähnliche Vision hatte, haben wir die Galerie gegründet. Die Grundkonzeption sah vor, eine Bibliothek als Wissensschatz mit Ausstellungen zu verbinden, die in die Gesellschaft und die Stadt hineinwirken. Und auch darüber hinaus, etwa nach Osteuropa. Das macht wirklich viel Freude.

Bräuchte auch Berlin eine solche Institution?

Ja, ich glaube, daß die Institutionen in Berlin noch ausbaufähig sind. Ich bin sehr froh, daß wir durch die Überschüsse aus der MoMA-Austellung im Verein der Freunde der Nationalgalerie eine Stiftung für zeitgenössische Kunst gründen konnten, sodaß wir für immerhin 300.000 Euro im Jahr Ankäufe tätigen können. Damit ist ein Keim gelegt, aber das hat lange gedauert.

Braucht Berlin eine Kunsthalle?

Ja, eine solche Institution würde ich mir wünschen. Einen Ort dafür könnte man rasch finden, etwa den Martin-Gropius-Bau. Aber auch als Neubau könnte ich sie mir gut vorstellen.

Sie sammeln selbst Kunst. Was sind Ihre jüngsten Ankäufe, und was sammeln Sie derzeit?

Sehr gern mag ich Künstlerinnen, etwa Rosemarie Trockel, Isa Genzken und Louise Bourgeois. Immer wieder werde ich aber auch durch das angeregt, was wir im Kulturkreis mit dem ars viva-Preis fördern. Im vergangenen Jahr habe ich unseren Preisträger Takehito Koganezawa so angepriesen, daß alle Arbeiten verkauft waren, bevor ich selbst zum Zug kommen konnte. Das soll mir in diesem Jahr nicht noch einmal passieren.


[Erstveröffentlichung als: "Bis in die Wurstfabrik" — Geld Macht Kunst, Teil 3: Der Unternehmer Arend Oetker über das Interesse von Unternehmen an der Kunst, zitty 9/2006, Berlin, Interview: Johannes Wendland.

Die Serie "Geld Macht Kunst" startete in zitty 6/2006 mit einer Einführung zu wachsendem Kunstmarkt und schrumpfendem öffentlichen Sektor. Teil 2 in Heft 8/2006 thematisierte die künstlerische Produktion in Zeiten von Hartz IV.]

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Die Förderpreisträger der ars viva 06/07:

Thema Erzählung / narration


Ausstellungsansicht Periferic Biennale Iasi / Rumänien, 2006

Andrea FACIU

1977 geboren, studierte in München. Ihr künstlerisches Medium ist die Sprache, die sie in ihren Arbeiten auf vielfältige Weise analysiert. Indem sie fremde oder eigene Texte in ungewöhnliche Sinn- oder Präsentationszusammenhänge stellt, untersucht sie die Mehrdeutigkeit einzelner Worte und verleiht ihnen dadurch oft eine ganz eigene Poesie. Kombiniert mit Zeichnung, Bild und Ton schafft sie raumgreifende rhythmisierte Installationen, die den Betrachter in Wort-Welten eintauchen lassen, die häufig von den zentralen Begriffen menschlichen Lebens erzählen.


"S 11", 2005
 

Beate GÜTSCHOW

1970 geboren, studierte in Hamburg und Oslo. In ihrer aktuellen Foto-Serie beschäftigt sie sich mit modernistischer Architektur, aus deren unzähligen Versatzstücken sie schwarz-weiße Stadtlandschaften kombiniert. Ihr Interesse liegt dabei auf der futuristischen und zugleich beschädigten Anmutung dieser Bauten, die sich in den von ihr – teilweise um Menschengruppen ergänzten - Szenarien zu einer apokalyptischen Zukunftserzählung verbinden.


"Elektrosex", 2005
[... wenn Mouse über Bild !!!]

Michael SAILSTORFER

1979 geboren, studierte in München und London. Mit außergewöhnlichem Talent überführt er u.a. groß dimensionierte Formen aus der Alltagswelt in bildhafte Skulpturen von poetischer Leichtigkeit. Ein ausgedienter Polizeibus kann dabei ebenso Verwendung finden wie eine als "Sternschnuppe" abgeschossene Straßenlaterne. Herkunft und eigentlicher Kontext der verwendeten Gegenstände bleiben trotz ihrer Demontage sichtbar, wodurch der zeitliche Ablauf der Umformung zum erzählerischen Moment wird, das der Künstler durch den Einsatz literarischer Verweise teilweise noch verstärkt.


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Preisträger
BILDENDE KUNST
vor 2004
- eine Auswahl:


Peter Brüning 1959


Horst Antes 1960


Georg Baselitz 1968


Gerhard Merz 1977


Katharina Sieverding 1979


Klaus von Bruch 1982


Rosemarie Trockel 1985


Thomas Ruff 1987


Candida Höfer 1987


Christina Kubisch 1988


Thomas Huber 1989


Mischa Kuball 1990


Leni Hoffmann 1993


Wolfgang Tillmans 1995


Dirk Skreber 1996


Daniel Pflumm 1997


John Bock 1999


Christoph Keller 2000


Ute Hörner, Mathias Antlfinger 2000


Amelie von Wulfen 2002


Peter Piller 2004



Projektförderungen

Künstler arbeiten an eigenen Projekten in Industrieunternehmen
1973 - 1984

Förderung des Busch-Reisinger-Museums, Harvard University/USA
1987 - 1989

Aufbau der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst
1992 - 1998





Antes



Baselitz



Trockel



Pflumm