Perforierte Stadt: -40 / +10
Leipzig
 
 
 
 
 
 
 
 

 

MetaMotion

Dorothee FICHTMUELLER, Daniela HIRSCH

 
Hochschule für Kunst und Design, HALLE, Burg Giebichenstein
Fachbereich Kunst und Medien


Abstract

Mit der sozialen Architektur zur baulichen Veränderung

Das Phänomen der schrumpfenden Stadt ist eine Bewegung mit noch offenem Entwicklungsausgang. Wir können die beteiligten Parameter beobachten, ordnen und evaluieren, aus dem komplexen Zusammenspiel der vielen Faktoren und Möglichkeiten lassen sich jedoch kaum lineare Schlussfolgerungen ziehen. Vielmehr ist der Übergang des Ortes und jede Phase der Schrumpfung ein eigener Prozess mit eigenem Charakter.

Zusätzlich zur schrumpfenden Stadt lässt sich auch das Phänomen einer schrumpfenden Kommunikation orten. Urbaner und gesellschaftlicher Vereinzelung stellen wir das Gespräch als Mittel und Mittler von Veränderung zur Verfügung.

Unsere Vision ist eine sichtbare Eigendynamik im städtischen Umfeld, die sich lebendig zeigt und Einfluss nimmt.




[Anmerkung der Redaktion: Dieser Text stammt von medizinischen Laien ...]

Marie:      Motion.
Dorothee:   Die Bewegung.

Marie:      Der Kreislauf?
Dorothee:   Aufnahme, Umbau, Abgabe.

Marie:      Einwirkung - Auswirkung.
Dorothee:   Aufnahme - Wiedergabe.

Marie:      Metabolismus: der Stoffwechsel, der ständige Strom von Stoffen, die durch den Körper fließen. Der Austausch von Stoff, Energie und Information mit der Umwelt.
Dorothee:   Dabei finden vielerlei Stoffwechselprozesse gleichzeitig in voneinander getrennten Reaktionsräumen statt.

Marie:      Und wer ist dabei unerlässlich?
Dorothee:   Der Mittler? Der Botschafter?

Marie:      Das Schmiermittel?
Dorothee:   Der Metabolit: er ist eine unerlässliche Substanz im Ablauf des Stoffwechsels.

Marie:      Er wirkt auf mehrere Arten: Als Katalysator, um anzuschieben, als Wirkstoff, von dem eine kleine Menge ausreicht, diese kleine Menge ist jedoch unentbehrlich.
Dorothee:   Und als Botenstoff, welcher die Informationen verteilt, um das Gleichgewicht aufrecht zu erhalten.

Marie:      Wie ist es, wenn sich das Gleichgewicht verändert?
Dorothee:   Was passiert mit dem Kreislauf, wenn die Zusammenhänge wechseln?

Marie:      MetaMotion.
Dorothee:   Die Voraussetzungen ändern sich. Prozesse treffen auf einen neuen Rhythmus. Wie reagiert der Regelkreis auf Störgrößen?

Marie:      Gibt es eine Wechselwirkung? Entsteht aus einer Gegenreaktion eine neue Entwicklung?
Dorothee:   Ja, wenn ein Mittler beteiligt ist.

Marie:      Gibt es einen Metaboliten der Umgestaltung? Einen Begleiter der Transformation?
Dorothee:   Ja, lass uns das Intermezzo vorstellen.

Marie:      Zum Beispiel Volkmarsdorf im Leipziger Osten.
Dorothee:   Das ist die Ebene der konkreten physischen Umgebung: Die erfahrene Materie.

Marie:      Und das ist die Ebene der Interaktion; der gelebte Umgang, die Praxis.
Dorothee:   Und das ist die Ebene der mentalen Bewältigung, das Konzept von Welt und Raum: die Theorie.

Marie:      Wo fühlen Sie sich zuhause?
Dorothee:   Was verstehen Sie unter Nachbarschaft?

Marie:      Was ist Ihre größte Angst?
Dorothee:   Wann ist ein Streit vorbei?

Marie:      Was ist Ihr größter Traum?
Dorothee:   Wir haben uns hier reinbegeben, aufgenommen und wiedergegeben: Die erste Runde.

Marie:      Durch zufällige Ansprache im Gebiet ergaben sich Gesprächstermine. Bei diesen Interviews konnten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 8 Fragekapiteln jeweils 3 Themen auswählen.
Dorothee:   Heimat, Konflikt, Neugierde.

Marie:      Aus dem aufgezeichneten Material der Gespräche ist der Film "14mal Volkmarsdorf" entstanden. Die Wiedergabe im Gebiet war die zweite Runde. Für die Dokumentation im Rahmen des Wettbewerbs haben wir eine interaktive CD erstellt. Davon möchten wir einen kurzen Eindruck geben.
Dorothee:   Befragung und Film werden nicht als Mittel der statistischen Erhebung oder Auswertung benutzt. Vielmehr ist das Entstehen für uns eine Annäherung an das Gebiet und die Möglichkeit, einen ausschnitthaften Einblick zu erlangen. Kern des Intermezzos ist für uns der Übergang von Film zum Gespräch im Rahmen der Vorführung.

Marie:      Vor dem Hintergrund der Veränderung suchen wir Ergänzungen zu etablierten Mediengewohnheiten. Im Gegensatz zum cineastischen Gebrauch des Mediums Film, weisen wir unserem Film eine neue Rolle zu. Er fungiert als direkter Mittler zwischen Austausch und Betrachtung.
Dorothee:   Und er ist selbst Teil des Austausches: die Summe der Rückkopplungen aus jedem einzelnen Gesprächsforum ergibt eine neue Folge.

Marie:      Wohin hat uns "14mal Volkmarsdorf" geführt?
Dorothee:   Es hat uns neugierig darauf gemacht, die Ebenen von planerischer Theorie und gelebter Praxis in Beziehung zu setzen.

Marie:      Und wie soll das aussehen?
Dorothee:   Wir können dem Film "14mal Volkmarsdorf" den nächsten Film "14mal Planer für Volkmarsdorf" zur Seite stellen.

Marie:      Und wir können mit der von uns entwickelten Gesprächsmethode Botenstoffe über weitere Räume austauschen, zum Beispiel von und nach Halle-Neustadt.
Und irgendwann finden die Runden außer dem Film noch andere Mittel und Mittler, welche ein Intermezzo einleiten.
Dorothee:   Das erinnert mich an die Leitung des Intermezzos. Aus der offenen Struktur des Inhaltes ergibt sich für uns das Prinzip der non-linearen Moderation.

Marie:      Das heißt, die lineare Präsentation der Moderatoren löst sich auf, sowohl räumlich als auch inhaltlich.
Dorothee:   Im Gespräch wie im Projekt MetaMotion geht es uns nicht um lineare Schlussfolgerungen, sondern um das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen.

Marie:      Wir bieten das Intermezzo als Austauschträger an und verstehen uns dabei selbst als Metabolit um mit der sozialen Architektur zur baulichen Veränderung zu gelangen.



Urteil der Jury:

In dieser Arbeit werden qualitative Forschungsmethoden angewandt, die eine starke Eigeninitiative der Bewohner durch Animationen fördern sollen.