Perforierte Stadt: -40 / +10
Leipzig
 
 
 
 
 
 
 
 

 

L_OST

Matthias KOTHE, Patrik SONNTAG

"Zweiter Preis"
Bauhaus-Universität, WEIMAR
Fachbereich Städtebau


Abstract

Wir zeigen ein neues Stadtmodell, das auf marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen gegründet ist. Es soll ein Fonds aus finanziellen Mitteln und Immobilien gebildet werden, von Leuten initiiert, die in erster Linie an die Aufwertbarkeit des Stadtquartiers glauben und sich von der Revitalisierung des Bezirks einen Ertrag erhoffen. Diese Gründer rekrutieren Groß- und Kleinanleger und leisten Überzeugungsarbeit gegenüber der Stadt und den Eigentümern in das Projekt einzusteigen. Es wird eine Gruppe von Fachleuten, bestehend aus Planern, Architekten, Soziologen, Wirtschaftlern und Managern zusammengestellt, die eine Analyse und eine Strategie zur Aufwertung des Gebietes vornehmen und die für die Vermarktung des "Produkts" "L_OST" sorgen. Die "Gruppe L_OST" begreift sich als Verteiler, Vermittler, Planer und Betreuer der Menschen und Interessengruppen, die im Quartier Fuß fassen wollen und darin eine Aufwertung ihrer Lebensart sehen. Die "Gruppe L_OST" stellt Satzungen und Richtlinien auf. Paketangebote werden erstellt, die den Wohnanteil, die Nutzung des "Zubehörs" und die mögliche Eigentumsbildung regeln. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit für den Bewohner einen Betrag, ähnlich hoch einer Miete, zu zahlen und nach einer bestimmten Frist den Restbetrag zu leisten und so Eigentum zu bilden. Der Grundgedanke ist der, die Involvierten in ihrem Engagement zur Umgestaltung ihres Umfeldes zu beflügeln. Ihnen die Chance zu geben individuelle Bedürfnisse umzusetzen. Aus den von L_OST aufgestellten Richtlinien, die den Umbau, den Rückbau, die Umnutzung, die Modernisierung und die Implantation von neuen Funktionen für bestimmte Gebiete vorsehen. Aus den ersten Akzenten, die gesetzt werden, soll ein sich selbst vorantreibender Prozess losgetreten werden. Dieser Prozess ist von den Bewohnern und Interessengemeinschaften gelenkt und er entwickelt sich nach den aktuellen Bedürfnissen der Zeit.





Die Übersicht zeigt ein neues Stadtmodell, das auf neuen marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen gegründet ist. Neue individuelle Bedürfnisse, die sich aus einem gesellschaftlichen Umschwung herleiten lassen zwingen zu einer Neudefinition von Stadt mit seinen öffentlichen Räumen und Angeboten.

Es soll nach unserer Vorstellung ein Fond aus finanziellen Mitteln und Immobilien gegründet werden, initiiert von Leuten, die in erster Linie an die Aufwertbarkeit des Stadtquartiers glauben und sich mit der Revitalisierung des Bezirks einen Ertrag erhoffen. Diese Gründer rekrutieren Groß- und Kleinanleger und leisten Überzeugungsarbeit gegenüber der Stadt und den Eigentümern in das Projekt einzusteigen. Ein Punktesystem wird entwickelt, um Leistungen, Rechte, Immobilien und finanzielle Mittel zu werten und diese zum Zeitpunkt des Mehrertrags an die Beteiligten anteilig zurückfließen zu lassen. Dieser Zusammenschluss entwickelt sich und wächst, er ermöglicht, dass Interessen gebündelt und Kosten für Aufwendungen verringert werden können. Der Aufsichtsrat stellt eine Gruppe von Fachleuten bestehend aus Planern, Architekten, Soziologen, Wirtschaftlern und Managern zusammen, die eine Analyse und eine Strategie zur Aufwertung des Gebietes vornehmen und die für die Vermarktung des "Produkts" "L_OST" sorgen. Aus diesen Erkenntnissen werden Budgets für einzelne Bereiche aufgestellt, aus denen geschöpft werden kann. Die "Gruppe L_OST" begreift sich als Verteiler, Vermittler, Planer und Betreuer der Leute und als Interessengruppen, die im Quartier Fuß fassen wollen und darin eine Aufwertung ihrer Lebensart sehen. Die "Gruppe L_OST" stellt Satzungen und Richtlinien auf, die eine Zonierung des Gebietes und einen damit einhergehenden Nutzungscharakter definieren. Paketangebote werden erstellt, die den Wohnanteil, die Nutzung des "Zubehörs" und die mögliche Eigentumsbildung regeln. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit für den Bewohner, einen Betrag, ähnlich hoch dem einer Miete zu zahlen und nach einer bestimmten Frist den Restbetrag zu leisten und so Eigentum zu bilden. Der Grundgedanke ist der, die Involvierten in ihrem Engagement zur Umgestaltung ihres Umfeldes zu beflügeln, ihnen die Chance zu geben individuelle Bedürfnisse umzusetzen. Aus den von L_OST aufgestellten Richtlinien, die den Umbau, den Rückbau, die Umnutzung, die Modernisierung und die Implantation von neuen Funktionen für bestimmte Gebiete vorsehen sowie aus den ersten Initialen, die gesetzt werden, soll ein sich selbst vorantreibender Prozess losgetreten werden. Dieser Prozess wird von den Bewohnern und Interessengemeinschaften gelenkt und er entwickelt sich nach den Bedürfnissen der Zeit.




Das Gebiet ist durch die angrenzenden Eisenbahngleise im Norden begrenzt, was prinzipiell als positiv zu werten ist. Dort ist ein klarer Abschluss des Gebietes definiert. Dieser im Norden verlaufende Streifen kann als Rückhalt dienen, Kräfte bündeln und einer Ausuferung durch neue Bebauung Einhalt gebieten.

Der mehrspurige Innenstadtring grenzt im Westen an das Graphische Viertel und wird von uns als ungünstig gewertet, da er den Osten Leipzigs vom Stadtzentrum isoliert und den Durchfluss potentieller Energien verhindert.

Der Hauptbahnhof, mit seiner besonders gut funktionierenden Infrastruktur, angrenzend an das Graphische Viertel, kann als Motor für den Osten angesehen werden. Darüber hinaus ist er als Anschlusspunkt für die Versorgungsstrukturen, die entstehen sollen, zu verstehen.

Die vom Ring radial abzweigenden Ausfallstrassen und die übrigen von Nord nach Süd kreuzenden Strassen teilen das Gebiet in schollenartige Gebilde und stellen mit ihrem starken Durchgangsverkehr fast unüberwindbare Barrieren dar.

Das Graphische Viertel mit seiner perforierten Gründerzeitbebauung ist noch zentrumsnäher gelegen als das zu bearbeitende Gebiet, mutet aber in Struktur und Zustand ähnlich an. Dies hindert den Durchfluss von Kraftströmen aus der angrenzenden City Leipzig.

Es sollen verschiedene Netzwerke zu gleicher Zeit langfristig initiiert werden. Sie richten sich in ihrer Intensität an den gesellschaftlichen und marktwirtschaftlichen Gegebenheiten, Ideen und Sehnsüchten der Leute aus, die im Bezirk leben oder anderswie in die Struktur involviert sind. Zuerst werden, vorrangig an der Eisenbahnstrasse, Verdichtungspunkte geschaffen, an denen man Autos parken oder auch gemietete Fahrzeuge abgeben und auf andere Verkehrsmittel, wie zum Beispiel das Fahrrad umsteigen kann.

An diese Punkten lagern sich Nutzungen an, welche die Bewohner Von "L_OST" versorgen, transportieren und informieren. Diese Strategie soll bewusst Energie lenken und ballen, um an anderer Stelle Bereiche zu schaffen, die Rückzug zulassen und mehr Abstand zur Geschäftigkeit und Hektik der Stadt bieten.

Neben den infrastrukturstärkenden Mechanismen werden Häuser, die für die jeweiligen Nutzer in ihrer Art prädestiniert sind, zugeschnitten, erweitert und angepasst und zu sogenannten "Mutterschiffen" umgewandelt. Dabei entscheidet der Bewohner selbst wie viel Unterstützung er in punkto Finanzierung, Planung und Durchführung von "L_OST" benötigt. Ausgehend von den Initiativen der Bewohner und denen von "L_OST" werden Freiflächen und Gebäude ge- und umgenutzt, die im Idealfall von vielen Bewohnern oder auch von Außenstehenden geteilt werden.

Diese neue Definition von Miteinander ermöglicht es, neben dem Wohnen im "Mutterschiff", Initiativen, Projekte und Wünsche zu verwirklichen und ihnen Raum zu geben. Projekte, die für eine Person allein in Hinsicht auf die Finanzierung und das einhergehende Risiko untragbar wären, können nun gemeinschaftlich umgesetzt werden. "L_OST" begreift sich hier zwar auch als Initiator von Zubehörangeboten, aber in erster Linie soll es den Menschen bei der Organisation, Koordination, der Findung von Interessengemeinschaften, der Bereitstellung von Räumen und der Finanzierung zu Seite stehen. "Wohnzubehör" soll im Idealfall durch die Nutzern selbst und möglichst "mutterschiffübergreifend" funktionieren und somit die Möglichkeit bieten, die Stadt neu zu begreifen.



Urteil der Jury: "Zweiter Preis"

Hervorzuheben ist die Idee des L_OST- Fonds, welcher neue Akteure zusammenbringt, die an die Aufwertbarkeit des Gebiets glauben. Angesprochen wird eine Vielzahl von Interessenten mit ihren spezifischen Bedürfnissen und Möglichkeiten, die jenseits von schichtenspezifischem Denken den Umbau ihres Quartiers organisieren.

Kritisch anzumerken ist jedoch, dass dieser Prozess des Managements ein hoch komplexes Handeln erfordert, um die Praktikabilität besonders vor dem Hintergrund der angestrebten Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten.