Perforierte Stadt: -40 / +10
Leipzig
 
 
 
 
 
 
 
 

ein spiel

die verbotene stadt

Sophia LINDEMANN, David FRANKE, Katharina HENDEL

"Erster Preis"
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur, LEIPZIG, [HTWK]
Fachbereich Städtebau und Entwerfen


Abstract

"Man soll zu dem, was man besitzt, begehren nicht, was früher war.
Man kann zugleich nicht der sein, der man ist und war.
Man kann alles haben. Was war, kehrt nicht zurück.
Ein Glück ist alles Glück; zwei ist wie keins."

Charles Perrault


PERRAULT, Charles, frz. Schriftsteller, 1628 - 1703, löste mit seinem "Poème sur le siècle de Louis le grand" (1687) die "Querelle des anciens et des modernes" aus, eine Literaturdebatte, in der er gegenüber einer als idealtypisch verstandenen Antike als ästhet. Norm den Vorrang der eigenen Zeit auf der Grundlage des Fortschrittsgedankens vertrat. Seinen Ruhm verdankt er der Märchensammlung "Histoire, ou contes du temps passé, ..." (1697; dt. "Feenmärchen für die Jugend"), später u. d. T. "Contes de ma mère l'oye", die den Anstoß für weitere Märchensammlungen gab.
[Auszug aus "Meyers Enzyklopädisches Lexikon" 9. Aufl., Bd. 18, S. 421]


_spielplan

ausgangspunkt unserer überlegungen sind die zweifel an der wirksamkeit konventioneller stadtplanerischer mittel und methoden in diesem gebiet und die suche nach einem anderen weg.

unser übergeordnetes thema ist das des spielens, ein spiel als möglichkeit der näherung und auch als konkretes arbeitsthema.
der erste schritt unserer arbeit war das brett*, das mit dem element "stadtaufbau" durch geschichten erzählen arbeitet. aus diesem brettspiel nehmen wir die parameter der begrenzten aktionszeit und das *brett für unser projekt mit.

das willkürlich gewählte wettbewerbsgebiet begreifen wir als stadtausschnitt, der auch als solcher zu behandeln ist, um energie zu bündeln und als exemplarisches einzelstück dienen zu können.

titel ist das "verbotene stadt - ein spiel"* mit und gegen das festhalten an den entleerten stadtbausteinen. wir spielen mit den gegebenen möglichkeiten in unserem stadtausschnitt und was es zu gewinnen gilt, ist der austausch über stadt und stadtentwicklung.

das festhalten an dem alten bild der ost _stadt _leipzig hindert bei der entwicklung von zukunft. wir wollen dieses "klammerverhalten" in frage stellen.

unsere ziele sind die andere lesbarkeit der stadt zu ermöglichen, ein stadterlebnis zu schaffen, kurzfristige wirkung im stadtausschnitt zu erzielen, jedoch langfristige auswirkung für die gesamtstadt. wir wollen die beschäftigung mit dem vorgang der entwicklung einer perforierten stadt und ihren auswirkungen vergegenwärtigen, dem "minus 40".

*zug 1 wir sind dran....
wir veranstalten das erste von 40 abrissfesten – ein spiel mit einem stadtfest zur demontage von stadt

*zug 2 stadtfestteilnehmer werden in einem spiel aufgefordert, zu wählen ob und wo im gebiet das nächste fest stattfinden wird.

... rahmen des angestrebten denkens, redens, erlebens der stadtentwicklung und gleichzeitig dokumentation sind unsere orte "plus 10", die aus dem abbruchmaterial entstehen.

dieses projekt ist eine möglichkeit an diesem exemplarischen ort ein exemplarisches stück stadt_heute zu schaffen.



Urteil der Jury: "Erster Preis"

Diese Arbeit thematisiert in hervorragender Weise den offensiven Umgang mit dem Abbruch von Gebäuden. Auf scheinbar spielerische Weise werden die Bewohner des Viertels in diesen schwer wiegenden Entscheidungsprozess einbezogen. Nach dem Abbruch folgt jeweils eine Pause, bevor neue Projekte in Angriff genommen werden. Dieses Innehalten wird als positiver Vorschlag gewertet.

Die ausschließliche Beschränkung des Geschehens auf den Abriss und die Aufgabe der alten Werte lässt jedoch viele Fragen offen und engt die beabsichtigte Tragweite des Spiels erheblich ein. Es ist nicht "verboten", noch einen Schritt weiter zu gehen.