Perforierte Stadt: -40 / +10
Leipzig
 
 
 
 
 
 
 
 

der gute Grund

EuQ

Kerstin STRÜWIND, Vera BAUMGARTL

"Erster Preis"
Bauhaus-Universität, WEIMAR
Fachbereich Städtebau


Abstract

Unser Projekt gliedert sich in drei Teile, die Maßnahmen auf drei unterschiedlichen Ebenen vorschlagen:

- Leipzig: Wir sind der Meinung, dass das Problem des Leipziger Ostens nicht die Bausubstanz ist, sondern die fehlende Bevölkerung. Deshalb müsste man einen Anreiz schaffen, wieder in das Viertel zu ziehen. Die klar definierte Struktur der Gründerzeit bietet für eine neue Urbanität sehr gute Voraussetzungen.

 Für einen guten Grund bekommen Sie eine Wohnung gratis! 

Die Veränderungen in der Gesellschaft haben in den letzten Jahrzehnten neue Typen von Nutzern und Nachfrage geschaffen, auf die das derzeitig verfügbare Angebot noch nicht reagiert. Der Trend hin zur Individualisierung geht Hand in Hand mit dem gleichzeitigen Bedürfnis nach mehr Gemeinschaft. Wie diese neuen Gesellschaftstypen aussehen könnten, werden wir an einem existierenden Haus veranschaulichen.
  • Deutschland: Voraussetzung für die im ersten Teil beschriebene Belebung des Viertels ist eine deutschlandweite Werbe-Kampagne.

  • Europa: Wir sehen einen Teil des Problems der >Schrumpfenden Stadt< im fehlenden Bewusstsein für die Werte der europäischen Stadt.

EuQ ist der Name eines Schulfaches und bedeutet europäische Kultur.





Leipzig LEBENSFORMEN

"Aus der Not eine Tugend machen" oder "Sich das Problem zunutze machen" könnte man die Herangehensweise dieses Projektes überschreiben. Die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrezehnte haben die Grossfamilie als soziales, Sicherheit gewährendes Netz ausser Kraft gesetzt. Jedoch nicht ersatzlos. In unseren Recherchen und Kontakten zu ganz unterschiedlichen Gruppen konnten wir zwei Tendenzen als Antwort auf das aufgetretene Defizit beobachten:

Zum einen eine grundsätzliche Haltung, die sich nicht mehr mit dem Muss der Situation abfinden will, sondern die unumgängliche Eigeninitiative zur Freiheit erklärt, einen eigenen Weg zu gehen. Zum anderen aber neben dieser Individualisierung ein deutliches Ja zu mehr Gemeinschaft, die eigene Zukunft gemeinsam mit Gleichgesinnten selbst in die Hand zu nehmen.
Der gute Grund ist die Aufforderung, genau dies zu tun. "Für einen guten Grund bekommen Sie eine Wohnung gratis" lautet das Angebot zur Eigeninitiative.



Urteil der Jury: "Erster Preis"

Positiv an dieser Arbeit ist vor allem der Versuch, den einzigen "Gewinn" der Leerstandskrise praktisch zu realisieren: durch kostenlose Vergabe der überschüssigen Wohnflächen an vorhandene bzw. neu zu gewinnende Bewohner, die als bewährte oder neue Akteure mit diesem Zugewinn (an Raum als Lebensqualität) dazu motiviert werden können, das "Leben" im gefährdeten Gebiet aufrecht zu erhalten. Dieses Verfahren wird, u.a. durch Einschaltung einer "moralischen Dimension" (Der gute Grund), professionell entwickelt und durch überzeugende werbegrafische Mittel dargestellt. Es verweist auf das zentrale Problem von Schrumpfungsgebieten, in denen eine "Umsortierung" der Bewohnerschaft offenbar unvermeidlich wird. Hier wird mit der Lebensstil-Orientierung der neuen Bewohnerschaften eine mögliche Variante dafür durchgespielt.

Im Vergleich zu dieser positiven Zentral-Idee erscheint die Ausweitung des Themas auf die europäische Dimension eher gezwungen und überflüssig.